US-Vorwahlen: Politiker-Dynastien in den USA

Die Macht der Familie: Bush vs. Clinton

12.06.2015

Republikaner und Demokraten in den USA suchen ihren Präsidentschaftskandidat für das Wahljahr 2016. Die besten Chancen können sich derzeit ausgerechnet zwei Angehörige der mächtigsten Politiker-Dynastien Amerikas erhoffen: Hillary Clinton und Jeb Bush. Warum ist die Macht politischer Dynastien in den USA so groß?

Wahlkampf der Politik-Dynastien

Im Wahlkampf stellt sich in den USA nicht allein die Frage, welche Partei gewinnt, sondern welche Politiker-Dynastie. Im aktuellen Wahlkampf für das Präsidentenamt könnte es auf das Duell der Bushs gegen die Clintons hinauslaufen.

Jeb Bush, der Bruder von George W. Bush, eröffnet mit seiner möglichen Kandidatur das Familien-Duell und will gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in den Ring steigen. Denn Bush will offensichtlich US-Präsident werden, wie schon sein Vater und sein Bruder.

Zur Zeit reist er durch Europa. Er möchte sein außenpolitisches Profil für den kommenden Wahlkampf schärfen und wird auch in Deutschland mit offenen Armen empfangen. Außenpolitik wird in der kommenden Wahl 2016 einen breiten Raum einnehmen. Seine potentielle Gegenspielerin Hillary Clinton sammelte bereits als Außenministerin unter Obama zahlreiche wertvolle Erfahrungen und wird sich in diesem Bereich daher deutlich profilieren können.

Ungewöhnlich warmer Empfang

Ungewöhnlich ist der Empfang dennoch, den Jeb Bush durch wichtige deutsche Minister erfahren hat – und er zeigt, welche Bedeutung Bushs Bewerbung in Deutschland und Europa beigemessen wird. Außenpolitisch unbedenklich ist die Lobhudelei in den Augen vieler aber nicht.

Offiziell vertritt die Bundesregierung die Linie, sich nicht in Wahlkämpfe anderer Länder einzumischen. So durfte der damalige Kandidat der Demokraten, Barack Obama, im Sommer 2008 nicht am Brandenburger Tor sprechen, sondern musste zur Siegessäule ausweichen. Grund dafür war die Sorge, eine derart prominente Kulisse wie das Brandenburger Tor könnte in den USA als Parteinahme angesehen werden

Eine merkwürdige Vertrautheit

Die Amerikaner erleben ein solches Familienduell nicht zum ersten Mal: die Kennedys, die Adams‘, die Roosevelts – das geht schon seit jeher so in den Vereinigten Staaten. Die Chancen stehen gut, dass es im Wahljahr 2016 zu einem Showdown zwischen zwei politischen Schwergewichten kommt.

Laut aktueller Umfragen würden derzeit 47 Prozent der US-Amerikaner die einstige First Lady wählen. Bush wiederum steht mit 33 Prozent an der Spitze der republikanischen Bewerber um die Kandidatur zum Amt des Präsidentens – tendenz weiter steigend. Falls Bush seinen Schwung behält und die Demokraten wie allgemein erwartet mit Hillary Clinton in den Ring steigen, dann erwartet die USA eine Wahl, die sich merkwürdig vertraut anhört: Bush gegen Clinton.

Der Herausforder eröffnet den Kampf

In der kommenden Woche wird Bush in Miami wohl die langerwartete offizielle Bewerbungsrede für seine Kandidatur halten. Dann ist die nächste Runde eingeläutet.

Über die politischen Dynastien in den USA, die kommenden Präsidentschaftswahlen 2016 und den Besuch von Jeb Bush hat detektor.fm-Moderatorin Theresa Nehm mit Christian Lammert gesprochen. Er forscht am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien an der FU Berlin.

Lammert_neuWir sehen in den USA, dass sich solche Unterstützer-Netzwerke um einflussreiche Familien bilden, die dann immer wieder genutzt werden, um viel Geld einzuwerben - was man in den US-Wahlkämpfen braucht, um wirklich erfolgreich zu sein.Christian Lammertforscht am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der FU Berlin. 

Redaktion: Carsten Jänicke