Verhandlungen über Irans Atomprogramm

Diplomatie als Marathon

01.04.2015

12 Jahre und noch immer keine Einigung. Derzeit finden erneut diplomatische Verhandlungen über das iranische Atomprogramm statt. Welche Methoden gibt es, um auf solch weltbewegende Fragen mit unterschiedlichsten Interessensträgern eine gemeinsame Antwort zu finden?

Keine fristgerechte Übereinkunft

Eigentlich sollten die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm schon vergangene Nacht, 24 Uhr, abgeschlossen werden, doch die beteiligten Staaten konnten sich nur auf eine Fristverlängerung verständigen. Die Gespräche wurden auch am heutigen Mittwoch fortgeführt.  Zuvor saßen Vertreter der fünf UN-Vetomächte – China, Russland, Frankreich, Großbritannien und die USA – sowie Deutschlands und des Irans am Verhandlungstisch im schweizerischen Lausanne.

Uneinigkeit herrscht weiterhin über die Dauer der Beschränkungen bei der Forschung und Entwicklung von moderner Nukleartechnologie und darüber, wann und wie die Sanktionen gegen Teheran aufgehoben werden. Die aktuellen Gespräche sollten in diesem Zusammenhang ein Rahmenabkommen auf den Weg bringen. Bis zum 30. Juni soll dann ein endgültiger und dauerhafter Vertragstext stehen, in dem alle technischen Details vereinbart sind.

Komplex und gegensätzlich

Nach Ablauf der Frist verkündete der russische Außenminister Lawrow eine grundsätzliche Einigung in allen Schlüsselfragen, was die amerikanische Seite umgehend dementierte. Eine komplexe Gemengelage und Scharmützel mit denen sich Botschafter a. D. Wilhelm Höynck auskennt. Der gelernte Rechtswissenschaftler war unter anderem Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit OSZE, sowie Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf. Diplomatische Verhandlungen hat er zudem im Zuge des deutsch-polnischen Nachbarschaftsabkommen und mit Russland über die Entschädigung von KZ-Opfern geführt.

detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler hat mit ihm darüber gesprochen, wie solche Gespräche ablaufen und worauf es für eine Lösung von Uneinigkeiten ankommt.

Wilhelm Höynck_OSZEAus meiner Sicht ist das Allerwichtigste, dass man die Themen, die verhandelt werden, bis ins Einzelne kennt. Und zwar nicht nur die Position des Landes, das man vertritt, sondern mindestens genauso wichtig ist, dass man die Position des Gegenübers erkennt.Wilhelm Höynckhat schon selbst viele Marathonverhandlungen erlebt. Foto: OSZE 

Redaktion: Friederike Zörner