Wahl in Frankreich: Emmanuel Macron kandidiert und wirbelt den Wahlkampf auf

Frischer Wind in Frankreichs Politik

17.11.2016

Kampf gegen den Terror, Flüchtlingskrise und Rechtspopulismus - die Schlagzeilen aus Frankreich waren in letzter Zeit eher von düsteren Themen geprägt. Nun kandidiert Emmanuel Macron für das Amt des Präsidenten und will eine Politik ohne Lagerdenken schaffen.

Seit den Anschlägen in Paris herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand. Das Land im Westen Europas findet nach den Terroranschlägen nicht den Weg zurück zur alten Ruhe. Auch wenn Präsident François Hollande versucht, sich als Terror-Bekämpfer zu profilieren und Stärke zu zeigen. Seine Maßnahmen werden von der Öffentlichkeit eher belächelt: Er ist zum viralen Witzopfer der Satire-Shows geworden.

Dem entgegen steht, aufgeplustert wie ein Gockel und voller rechtspopulitischer Energie, der Front National um Marine Le Pen. Die Tochter einer Millionärsfamilie verkauft sich als Frau des Volkes und möchte dem Establishment an den Kragen.

Emmanuel Macron: Das politische Wunderkind

Die etablierten politischen Kräfte haben die Grande Nation in den letzten Jahren im Stillstand gehalten. Entweder die Bürger wenden sich in Misstrauen und Politikverdrossenheit ab oder sie schließen sich rechten EU- und Fortschrittsgegnern an.

In dieses Phlegma tritt nun Emmanuel Macron. Er gilt als politisches Wunderkind, ist ehemaliger Berater Hollandes und Ex-Wirtschaftsminister. Der 38-Jährige hat nach eigener Aussage die Leere der Demokratie erlebt. Für ihn ist das politische System das Haupthindernis für Veränderungen im Land. Seine Parole: Eine Politik des Willens ohne Lagerdenken. Er möchte als parteiloser Präsident eine demokratische Revolution vollbringen.

Nicht rechts, nicht links

Worte, die für jeden jungen linksliberalen Menschen wie eine politische Verheißung klingen. Doch Macron ist kein klassischer Sozialist, er ist Ziehsohn von François Hollande und Mitglied der Elite. Konkrete politische Ziele für seine Zeit als Präsident sind nicht bekannt. Er gilt jedoch als Europafreund und Gegner des Kapitalismus in seiner jetzigen Form.

Macron will die tiefe Spaltung zwischen Rechten und Linken überwinden und Unterstützer aus beiden Lagern gewinnen. Er versucht, eine große Koalition in Person darzustellen. – Jens Althoff

Dr. Jens Althoff ist begeistert von der politischen Streitkultur in Frankreich. Der Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Paris erklärt im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Konrad Spremberg, was das Konzept hinter der Kandidatur von Emmanuel Macron ist und was er der politischen Konkurrenz entgegensetzt.

jensalthoffDie leidenschaftliche Debatte ist sehr lebendig und faszinierend. Es werden Positionen abgeklopft, diskutiert und Ideen entwickelt. Eine sehr spannende und lebendige Zeit.Dr. Jens Althoffist Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Paris und beobachtet die politischen Entwicklungen mit Spannung.  

Redaktion: Joachim Plingen