Wahldesaster für Theresa May

"Das kann nicht gut ausgehen!"

09.06.2017

So war das aber nicht geplant: Tory-Premierministerin Theresa May hat die britischen Parlamentswahlen extra vorgezogen, um gestärkt in die Brexit-Verhandlungen zu gehen. Nun hat sie auf diesem Weg die absolute Mehrheit der Tories verzockt. Wieder müssen die Briten nach einer Wahl fragen: Was kommt jetzt?

Theresa May: Mehrheit verzockt

Theresa May hat die schlechten Umfragewerte der Labour Party nutzen wollen, um ihre eigene Partei, die Conservative Party, mit noch mehr Sitzen auszustatten. Sie wollte gestärkt in die Brexit-Verhandlungen mit der EU gehen – so war zumindest der Plan.

Wie es mittlerweile Tradition ist, haben die Briten an der Wahlurne wieder alle überrascht: die Konservativen verlieren 12 Sitze und damit auch die absolute Mehrheit, für die sie mindestens 327 Sitze hätten besetzen müssen. Im Endergebnis sind es 318. Und Jeremy Corbyn und seine Labour Party? Die schließt auf zu den Konservativen, gewinnt 31 Sitze dazu und liegt jetzt bei 261. Kurzum: Theresa May hat sich gehörig verzockt.

May will trotzdem regieren

Als sich das desaströse Ergebnis der Tories abzeichnete, wurde in London bereits darüber gemunkelt, dass May den Hut nehmen würde. Einen ersten Pressetermin am Vormittag ließ sie sausen, fuhr stattdessen direkt zum Buckingham Palace, um bei der Queen vorstellig zu werden. Dort bat sie darum, eine neue Regierung bilden zu können. Erst danach wandte May sich an die Öffentlichkeit.

„An die Arbeit jetzt“, gab sie etwas zerknirscht als Parole aus – und muss sich nun einen Koalitionspartner suchen. Erste Gespräche soll es bald mit der konservativen Democratic Unionist Party (DUP) aus Nordirland geben. Das bestätigte auch deren Vorsitzende Arlene Foster.

Conservatives are not amused

Viele Tories sind sauer. Sie machen Theresa May und ihren Wahlkampf für den deutlichen Stimmverlust verantwortlich. Es gibt auch Zweifel daran, dass Theresa May den angekündigten „harten Brexit“ überhaupt aushandeln kann.

May will die Verhandlungen über den EU-Austritt trotzdem am 19. Juni aufnehmen – wie aus Brüssel vorgeschlagen. Doch kann sich sie sich politisch lang genug halten, um den EU-Austritt abzuwickeln?

Anthony GleesMeine eigenen Kontakte aus der Konservativen Partei sagen: Es ist gut möglich, dass die neue Regierung May sich nur auf Monate halten wird – und dass die Messer schon geschärft werden.Anthony Gleesist Professor für Politik an der University of Buckingham. 

Das Wahldesaster der britischen Konservativen, die Rückkehr von Labour und Jeremy Corbyn – und Fragezeichen hinter den Brexitverhandlungen. Wir haben in London den Politologen Anthony Glees von der Buckingham University angerufen und die Ergebnissen von ihm einordnen lassen.