Die Altersvorsorge als Wahlkampf-Thema

Redet mehr über die Rente!

29.04.2016

Mit der Rente ist das ein bisschen verrückt: Sie betrifft alle, interessiert aber nur wenige. Vor allem unter jungen Menschen gilt die Altersvorsorge als leidiges Thema. Umfragen zeigen, dass viele sich vom deutschen Rentensystem überfordert fühlen. Was läuft schief beim "wichtigsten Versprechen des Sozialstaates"?

Das Thema „Rente“ ist ein politischer Dauerbrenner: Forderungen nach der Erhöhung des Eintrittsalters, Hiobsbotschaften über bevorstehende Altersarmut und der gern zitierte Generationenvertrag sind feste Bestandteile des politischen Diskurses in Deutschland.

Eines aber fällt ja auf. Einerseits geht die Altersvorsorge jeden etwas an, trotzdem interessiert sie nicht alle: Vor allem die junge Generation, die nach Meinung von Experten am ehesten um ihre künftige Altersvorsorge bangen muss, schiebt entweder die Planung auf oder ist vom Rentensystem schlichtweg überfordert, wie Studien zeigen.

Die Rente als Wahlkampfthema

Aktuell hagelt es wieder Vorschläge für Veränderungen. So fordert der sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Karl Schiewerling, das Rentenniveau weniger stark absinken zu lassen, als bisher geplant. Ver.di-Chef Frank Bsirske will es sogar wieder anheben.

Und dann ist da ja noch der Vorschlag von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), das Renteneintrittsalter weiter anzuheben. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat vor, die Rente zu einem zentralen Wahlkampfthema für die nächste Bundestagswahl zu machen, Horst Seehofer (CSU) verfolgt ähnliche Pläne. Die Kanzlerin dagegen scheint um die mangelnde Attraktivität des Themas zu wissen und möchte andere Schwerpunkte setzen.

Warum man wieder über die Rente streiten muss

Diese Haltung der Bundeskanzlerin findet der ehemalige SPD-Politiker Rudolf Dreßler problematisch. Mit der Erhöhung des Rentenalters und der Einführung der Mütterrente seien wichtige Richtungsentscheidungen für die Zukunft der Rente getroffen worden. Politiker haben sich darüber ausgetauscht – aber es nicht geschafft, die Bürger ins Boot zu holen.

Wenn ich nicht angerührt werde durch diese Diskussion, nicht animiert werde, dann glaube ich, das Problem sei gar nicht so gewaltig. – Rudolf Dreßler, ehemaliger SPD-Politiker

Taugt die gesetzliche Altersvorsorge zum entscheidenden Wahlkampfthema? Und wieso sind so viele junge Menschen mit dem System überfordert? Darüber hat detektor.fm-Moderatorin Anke Werner mit Rudolf Dreßler gesprochen. Der ehemalige Diplomat und SPD-Sozialpolitiker gilt als Kritiker des aktuellen Systems der Altersvorsorge in Deutschland.

Rudolf Dreßler, ehemaliger SPD-Politiker und deutscher Botschafter in IsraelDas, was zurzeit in der Rentenversicherung von der großen Koalition praktiziert wird, ist das Gegenteil von Perspektive. Deshalb ist eine gesellschaftliche Auseinandersetzung damit zwingend notwendig. Und da muss die Jugend einsteigen.Rudolf Dreßlerist ehemaliger SPD-Politiker und Botschafter.  

Video: Wie funktioniert die gesetzliche Rente?

Redaktion: Marc Zimmer