Was wichtig wird | Brief an Erdogan und Reformpläne der SPD

Zwischen Vernunft und Mitgefühl

08.03.2017

In einem offenen Brief richtet sich der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt direkt an Erdogan. Er appelliert an die Menschlichkeit und will Deniz Yücel aus dem Gefängnis holen. Währenddessen spricht auch die SPD ihre Wähler direkt an - mit einem Reformvorschlag.

Über die Debatten der Woche sprechen wir jeden Mittwoch mit den Kollegen der taz. Immer gegen 08:15 Uhr in unserer Sendung "detektor.fm Am Vormittag".

Brief an Erdogan

Erdogan soll ein Zeichen setzten und Deniz Yücel freilassen. Sorgenvoll und fast schon einfühlend bittet Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt den türkischen Staatschef um Hilfe. Er spricht von einem Signal, dass die Wiederannäherung zwischen der Türkei und Deutschland beschleunigen könnte. Dieser wurde sowohl auf deutsch, als auch auf türkisch im Internet veröffentlicht.

So ein Appell an das türkische Staatsoberhaupt ist aber nicht neu. Bereits 2016 bei Can Dündar, dem Chefredakteur der ältesten Tageszeitung der Türkei „Cumhuriyet“, mahnten Chefredakteure auf der ganzen Welt den Regierungschef zur Vernunft. Auch im Fall Dündar wurde ein Brief an Erdogan geschrieben, und auch damals wurde an sein Mitgefühl appelliert. Ob Brief von Poschardt mehr Erfolg hat, ist allerdings fraglich.

Portrait von Ambros Waibel in seinem Arbeitszimmer in Berlin Kreuzberg.Sich an so jemanden mit einem Brief in einem unterwürfigem Ton zu wenden, das kann man natürlich kritisieren. Ich glaube aber wirklich, dass Poschardt sich sehr große Sorgen macht. Ambros Waibelehrt den Versuch, bleibt aber realistisch.  

ALG Q

Der SPD-Vorstand hat sich durchgesetzt. Das Arbeitslosengeld, das eine Qualifizierung ermöglicht, soll kommen. Das ist nicht nur älteren Mitbürgern vorbehalten, sondern allen Erwerbslosen, die ihren Weg zurück ins Arbeitsleben suchen. Damit ist ein erster Schritt weg von der Agenda 2010 hin zum Wahlkampf getan.

Es geht der SPD und Schulz um diesen berühmten Facharbeiter, der AfD wählt oder gar nicht mehr wählt und der den Sozialstaat der 70er-Jahre zurück haben will.- Ambros Waibel

Nicht nur beim Altkanzler Gerhard Schröder lösen Reformen zur Reform weinig Begeisterungsstürme aus. Auch die Union steht nicht hinter den Plänen. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund geht diese Maßnahme hingegen noch nicht weit genug.

Zusätzlich zu dieser Maßnahme soll auch noch der Zugang zum Arbeitslosengeld erleichtert werden. Wer in drei Jahren mindestens 10 Monate lang Beiträge gezahlt hat, solle künftig Arbeitslosengeld erhalten. Momentan ist es so, dass 12 Monate in zwei Jahren gezahlt werden müssen. Auch der Zugang zu Hartz-IV-Leistungen soll vereinfacht werden.

Über den Brief an Erdogan, der sein Herz erweichen soll und die Reformen, die die Herzen der Wähler für die SPD öffnen sollen, hat Ambros Waibel von der taz mit detektor.fm– Moderatorin Carina Fron gesprochen.


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