Was wichtig wird | Diesel-Gipfel und Venezuela-Krise

Alles längst entschieden?

02.08.2017

Während schon vor Beginn des Diesel-Gipfels der Ausgang klar zu sein scheint, lässt der venezolanische Präsident Maduro Oppositionsführer verhaften. Ein Gespräch mit Christian Füller, Chefredakteur der Wochenzeitung "Der Freitag", über zwei Themen, die wichtig werden.

Bild: detektor.fm

Deutschland hat ein Problem und das heißt Diesel. Fahrzeuge, die diesen Treibstoff verwenden, müssen dringend sauberer werden. Die Frage ist nur: Wie? Eine Antwort wollen Bund, Länder und Autoindustrie auf ihrem gemeinsamen Diesel-Gipfel finden. Doch meinen sie es wirklich ernst? Es scheint, als hätten sich alle Beteiligten längst hinter den Kulissen geeinigt.

Diesel-Gipfel: Nur ein Software-Update?

Schon vor Beginn des Gipfels sickerte durch, dass sich Politik und Wirtschaft wahrscheinlich nicht auf eine technische Umrüstung einigen werden. Stattdessen sollen sie ein Software-Update bevorzugen. Dieses basiert auf demselben Prinzip wie die Manipulationssoftware, deren Bekanntwerden den Abgasskandal ausgelöst hat. Doch statt die Abgaswerte von Diesel-Autos zu manipulieren, würde das Update die illegale Software abstellen. Die Harnsäuretanks, deren Technik die Stickoxidwerte senken sollen, würden wieder „normal arbeiten“. Viele sehen ein solches Update kritisch.

Es wird uns die ganze Zeit weiß gemacht, dass man mit ein paar elektronischen Veränderungen da was macht. – Christian Füller, Der Freitag

Doch auch eine Umrüstung der Hardware würde das eigentliche Problem nicht lösen: Die Autoindustrie hat notwendige Innovationen der veralteten Dieseltechnik zugunsten einer Manipulation verpasst. Dass hierfür die großen Konzerne auf dem Diesel-Gipfel bestraft werden, hält Christian Füller, Chefredakteur der Wochenzeitung Der Freitag, für unwahrscheinlich.

Da geht es nicht darum, Sanktionen auszusprechen. Da geht es darum, neue Incentives für die Diesel-Autos zu geben. – Christian Füller

Venezuela: Auf dem Weg zur Diktatur?

In Venezuela spitzt sich die Krise derweil weiter zu. Nach der fragwürdigen Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung am vergangenen Sonntag hat Präsident Nicolás Maduro nun die Oppositionführer Leopoldo López und Antonio Ledezma verhaften lassen. Die Begründung: Es lägen Geheimdienst-Informationen vor, wonach die beiden Politiker ihre Flucht geplant hätten. Ein herber Rückschlag für die Opposition, die seit Monaten zu Protesten gegen Maduro und dessen autoritären Führungsstil aufruft.

Diese sozialistische Demokratie geht jetzt wirklich vor die Hunde. – Christian Füller

Ist Venezuela noch zu retten? Und welches Signal sendet ein Diesel-Gipfel an die Bevölkerung, wenn schon vor Beginn alles abgesprochen zu sein scheint? Fragen, die Christian Füller im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Marie Landes beantwortet. Er ist Chefredakteur der Wochenzeitung Der Freitag.


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