Was wichtig wird | Macron wird französischer Präsident

Pyrrhussieg für Europa?

08.05.2017

Macron setzt sich gegen Le Pen vom Front National durch und wird Präsident. Es halten sich Zweifel daran, ob er Frankreichs Wirtschaft und Gesellschaft wieder flicken kann. Der Kampf gegen Rechtspopulismus in Europa hat einen Sieg errungen. Doch zu welchem Preis? Friedrich Küppersbusch zur Frankreichwahl:

macron_0 by thierryleclercq via flickr _ public dopmain mark 1.0

Macron: Plötzlich Präsident

„Als wäre Christian Lindner Kanzler geworden“, so fasst Journalist Friedrich Küppersbusch den Aufstieg Emmanuel Macrons zusammen. Der liberale Macron, als unabhängiger Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen angetreten, hat schon beim ersten Wahlgang alle Beobachter überrascht. Seit gestern ist klar: er wird Frankreichs neuer Präsident.

Gepunktet hat er bei der Stichwahl vor allem bei den Jüngeren (unter 24 Jahren) und Älteren (ab 60 aufwärts). Je höher der Bildungsabschluss war, desto größer fiel der Stimmanteil für Macron aus. Jeder vierte Wahlberechtigte ging allerdings gar nicht erst zur Wahlkabine. Das ist der höchste Anteil an Nichtwählern seit fast fünfzig Jahren.

Mehr als 4 Millionen ungültige Stimmen

Bemerkenswert ist auch die Zahl der Stimmen, die ungültig waren – oder ungültig gemacht wurden. Mehr als 4 Millionen Wähler gaben ihren Stimmzettel ab, hatten ihn aber entweder unleserlich gemacht oder ihn schlichtweg leer gelassen. Fast jeder Achte entschloss sich zu diesem Schritt – was zeigt, dass viele Franzosen keinen der Kandidaten in der Stichwahl als geeignet sahen.

Die Aufgaben, die jetzt auf Macron warten, sind unüberschaubar: er will mit unbeliebten neoliberalen Reformen die Wirtschaft ankurbeln, und das inmitten einer ohnehin polarisierten französischen Gesellschaft, die auch politisch an einem „Scheideweg“ steht, wie die Zeithistorikerin Hélène Miard-Delacroix dem ZDF geschildert hat.

Europas Rechtspopulisten scheitern – nur knapp

Trotz Macrons deutlichem Sieg ging noch immer ein Drittel der gültigen Stimmen an Marine Le Pen vom Front National. Le Pen reiht sich damit ein in die jüngsten, relativ knappen Wahlniederlagen von Rechtspopulisten europaweit – wie etwa Norbert Hofer, der FPÖ-Kandidat bei der österreichischen Präsidentschaftswahl, oder Geert Wilders und seine PVDV bei den niederländischen Kammerwahlen.

Ist der Rechtspopulismus in Europa damit ausgebremst – oder kann er sich jetzt erst richtig durchsetzen?

Friedrich Küppersbusch_04 als Pressefoto-700x1000 px[Die Rechtspopulisten können nun] politisches Handwerk lernen: Wie halte ich den Laden richtig auf? Wie werfe ich da wirklich Knüppel in die Speichen? Das ist die Investition der Rechtspopulisten für die Zukunft. (...) Da folgt jetzt die Durchstrukturierung des Rechtspopulismus.Friedrich Küppersbuschist Journalist und Autor 

Was uns diese Wahl über die Lage in Frankreich und Europa sagt und was nun wichtig wird für die ersten Amtstage Macrons, haben wir mit Journalist und Autor Friedrich Küppersbusch in den Blick genommen.


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