Was wichtig wird | Prognosen vor der Wahl

Können wir den Demoskopen trauen?

21.09.2017

So kurz vor der Wahl hört man immer wieder von Menschen, die taktisch wählen. Doch das geht nur, wenn sie den Prognosen vertrauen. Jürn Kruse von der taz erklärt, wie diese erstellt werden und ob man sie mit Vorsicht genießen muss.

Hochrechnungen CC0 1.0 stocksnap.io Wilfred Iven

Ein gebranntes Kind

Eine Frau, die den Prognosen heute wahrscheinlich weniger vertraut als im letzten Jahr, hat gerade ein Buch veröffentlicht. In „What happened“ erklärt Hillary Clinton, wie es dazu kam, dass sie nicht die neue US-amerikanische Präsidentin geworden ist. Das Lachen hatte ein anderer. Donald Trump, dem zu Beginn der US-Wahlen eigentlich niemand eine Chance aufs Weiße Haus eingeräumt hatte. Dieser Mann hat gerade eine Rede vor den vereinten Nationen gehalten. Er hat es an die Spitze der USA geschafft, obwohl die meisten Demoskopen seinen Misserfolg vorhergesagt hatten.

Gerade nach der Trump-Wahl wurde ja viel auf die Demoskopen eingeschlagen. Dass sie es nicht haben kommen sehen. Und sie hätten versagt. Nein, nein, wir lesen diese Umfrageergebnisse einfach nicht sonderlich gut. Das hat was mit Aufklärung zu tun. Es wurde vorher gesagt, dass in vielen Staaten des Ergebnis sehr knapp würde. Das heißt, dass eigentlich niemand war haben wollte, dass es eben – so wie es ja auch gekommen ist – knapp für Trump ausgehen konnte. – Jürn Kruse, taz

Brexit, Schulz, AfD

Zum Brexit hat sich ein ähnliches Bilde geboten. Die Demoskopen hatten eigentlich mit einem Verbleib Großbritanniens in der EU gerechnet, stattdessen stimmten die Briten für „leave“. Auch Martin Schulz bescherte der SPD zu Beginn diesen Jahres einen wahren Höhenflug, bevor sie wieder stark in den Umfragen absackte. Und ob die AfD nach der Wahl drittstärkste Kraft wird, kommt auch darauf an mit welcher Hochrechnung man sich beschäftigt.

Warum wir vorsichtig mit Wahlprognosen umgehen sollten, sie aber trotzdem hilfreich sind, hat Jürn Kruse von der taz dem detektor.fm-Moderator Christian Eichler erklärt.


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