Was wichtig wird | Twittersperre

Jede Menge Kollateralschäden

14.05.2019

Vor den EU-Wahlen sollen in den Timelines der sozialen Netzwerke keine manipulierten Inhalte zur Wahl auftauchen. Das ist zumindest das Ziel der EU-Kommission. Warum das nicht ohne Kollateralschäden geht, erklärt Holger Bleich von heise online.

Google sperrt Huawei aus

Selbstverpflichtung der sozialen Netzwerke

Facebook, Twitter und Google verpflichten sich seit September 2018 dazu, vor der EU-Wahl gezielte Desinformationskampagnen einzudämmen. Die EU-Kommission hat die sozialen Netzwerke hier in die Pflicht genommen, dass sie selbst ihre Inhalte beobachten sollen. So hat Twitter Ende April eine Meldefunktion eingeführt, mit der die Nutzer und Nutzerinnen Beiträge melden können, die in ihren Augen gegen die „Regelungen zu irreführenden Informationen zu Wahlen“ verstoßen. Allerdings werden hier auch viele Accounts gesperrt, die offensichtlich nicht gegen diese Regelungen verstoßen haben.

Es ist völlig intransparent, was da eigentlich passiert. Und es ist völlig unklar, wer tatsächlich diese Meldungen prüft. – Holger Bleich, heise online und c’t

In der Vorstellung von Holger Bleich, Redakteur bei c’t und heise online, prüft eine Künstliche Intelligenz die Meldungen. Erst wenn jemand Einspruch gegen die Sperre einlegt, liest ein Mensch den entsprechenden Tweet. Kollateralschäden lassen sich so nicht vermeiden.

Filtern ist wahnsinnig schwierig

Gerade ironische Posts werden von einer KI eigentlich nie als solche erkannt, sagt Holger Bleich. Deshalb arbeiten die Betreiber der sozialen Netzwerke mit externen Dienstleistern zusammen. In Deutschland kooperiert Facebook etwa mit Correctiv, die Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

Man versucht, Algorithmen anzulernen. Aber natürlich müssen immer Menschen drüber gucken. – Holger Bleich

Die EU-Kommission verlässt sich bei der Bekämpfung von Desinformationskampagnen nicht nur auf die sozialen Netzwerke. Deshalb haben sie auch ihre eigene Task Force ins Leben gerufen: die East StratCom. Diese Strategie findet Holger Bleich ein bisschen lächerlich. Die Arbeit der East StratCom konzentriert sich auf Kampagnen aus Russland, überschäzt aber laut Bleich die Kampagnen von dort. In den eigenen Mitgliedsstaaten wird nicht nach Manipulationen gesucht, um Ärger zu vermeiden.

Holger Bleich 34984Da steht noch wahnsinnig viel Arbeit vor den sozialen Netzwerken und im Moment sind sie von dem Thema Fake News total überfordert.Holger BleichRedakteur bei heise online und c't 

Warum wir bei zukünftigen Wahlen immer noch mit Desinformationen in sozialen Netzwerken zu kämpfen haben und wie wir damit umgehen sollten, erklärt Holger Bleich von heise online im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Anja Bolle.


Jeden Tag erfahren, was wichtig wird? Einfach Podcast abonnieren oder jederzeit bei Apple Podcasts, Google Podcasts und Spotify hören.