Wasserkraft auf dem Balkan

Protest gegen Fluss-Zerstörung

18.05.2018

Die Balkanstaaten planen den Bau tausender kleiner Wasserkraftwerke, viele davon in Naturschutzgebieten. Sie bedrohen damit die letzten unberührten Flüsse Europas.

Wasserkraft klingt erst einmal nachhaltig, doch: Wo Flüsse umgeleitet und Flächen geflutet werden, leidet die Natur. Auf dem Balkan werden ca. 3000 neue Wasserkraftwerke gebaut, ein Großteil davon in Naturschutzgebieten. So auch im Ökosystem um den Fluss Vjosa. Dem letzten freifließenden Fluss-System Europas droht die Zerstörung.

Vom Nordwesten Griechenlands schlängelt sich die Vjosa durch Albanien. Man nennt sie: das blaue Herz Europas. Gegen deren Stillstand und die Wasserkraft leisten Anwohner und Nichtregierungsorganisationen Widerstand.

Wissenschaftler sagen voraus, dass wenn dieser Staudammwahnsinn eintritt, zehn Prozent aller Süßwasserfischarten Europas aussterben. – Ulrich Eichelmann, Ökologe der Organisation Riverwatch

Ohne Staudamm keinen Strom?

In den albanischen Städten Kalivaç und Poçem wird derzeit an großen Staudämmen gebaut. Anwohner und Landwirte fürchten die Flutung ihres Ackerlandes. Vielen droht die Umsiedelung. Flussaufwärts sinkt der Grundwasserspiegel, die Vegetation verdörrt. Ist es das wert?

Für die Stromversorgung der Regionen jedenfalls nicht: Drei große Dämme decken den Strombedarf Albanien zu Albaniens zu 90 Prozent. Die geplanten Anlagen leisten zusammen nur etwa zwei Prozent. Die Bauaufträge gehen auf die Jahre 2006 bis 2009 zurück. Damals hatten Albanien und Bosnien-Herzegowina Konzessionen vergeben. Nichtregierungsorganisationen vermuten Korruption und Vetternwirtschaft.

Umweltzerstörung für zwei Prozent Strom? Ulrich Eichelmann, Ökologe der Organisation Riverwatch kennt die Ursachen und Folgen des Wasserkraftbooms auf dem Balkan. detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer hat mit ihm gesprochen.

and der Vjosa-AlbanienWir sind seit sechs Jahren auf dem Balkan unterwegs. Es gibt Proteste und Besetzungen. In Bosnien sitzen Frauen seit 220 Tagen auf einer Baustelle.Ulrich Eichelmannist Ökologe bei Riverwatch.