Bundesrat berät über Wildtierverbot im Zirkus

Da steppt kein Bär

18.03.2016

Wilde Tiere im Zirkus sind ein faszinierender Anblick und Tierdressur erfordert viel Können. Aber kann man das mit dem Tierschutz in Einklang bringen? Der Bundesrat hat über ein Wildtierverbot in der Manege beraten.

Manege ohne Wildtiere

Einer der letzten Zirkusbären Deutschlands ist beschlagnahmt. Der Zirkus hat das Tier immer wieder in einem kleinen, abgedunkelten Käfig zurückgelassen, weil an manchen Spielorten Wildtiere verboten sind. Einige Gemeinden setzen ihr eigenes Wildtierverbot für den Zirkus bereits durch, indem sie keine Plätze mehr zur Verfügung stellen.

Doch Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten oder PeTA fordern nicht nur, dass Zirkustiere artgerecht gehalten werden sollen. Sie fordern sogar rigoros das Ende von Wildtierauftritten im Zirkus. Ein nationales Wildtierverbot ist in Europa keine Seltenheit. So haben zum Beispiel Belgien, Griechenland, Österreich und die Niederlande ein solches Verbot umgesetzt.

Zirkus-Freund Volker Kauder

Auch in Deutschland ist die Idee eines Verbots nicht neu. Schon 2003 und 2011 hat es Bestrebungen gegeben, ein solches Verbot umzusetzen. Doch immer wieder sind sie am Widerstand der Unionsfraktion im Bundestag gescheitert. Ein Name, der dabei immer wieder auftaucht: Volker Kauder. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag ist nämlich Ehrenfan des Zirkus Krone. Auf seiner Webseite gibt er sogar an, er wäre gerne Zirkusdirektor geworden. Doch auch andere Politiker sind gegen ein Verbot.

Ein Verbot auf wissenschaftlicher Basis

Der Bundesrat hat nun einen neuen Versuch gestartet, ein solches Verbot durchzusetzen. Auf Initiative der Länder Hessen, Saarland, Thüringen und Rheinland-Pfalz wurde ein Entschluss-Antrag gefasst, der die Bundesregierung erneut zu einem Verbot der Wildtiere im Zirkus auffordert. Dieses Verbot wäre nur ein erster Schritt, denn es verbietet nicht einmal alle Wildtierarten. Großkatzen wären dann noch immer im Zirkus erlaubt.

Das ist der Situation geschuldet, dass wir gesagt haben: Wir wollen wissenschaftliche Quellen haben, die es nahelegen, dass die Haltung dieser Tiere im Zirkus nicht möglich ist. Wir werden immer wieder gefragt, warum die Raubkatzen nicht dabei stehen. Das kann aber sicherlich in der Zukunft anders werden. – Madeleine Martin, Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen

Nun liegt der Ball bei der Bundesregierung. Sie muss entscheiden, ob sie einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg bringen will.

Über ein mögliches Wildtierverbot im Zirkus in Deutschland hat detektor.fm-Moderator Javan Wenz mit Madeleine Martin gesprochen. Sie ist die Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen.

Madeleine_MartinEs gibt durchaus positive Beispiele, wo Zirkusse sich ausdrücklich von ihren Wildtieren verabschieden. Aber die Gesamt-Tendenz in Deutschland hält leider auch an problematischen Tieren fest.Madeleine Martinist Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen. 

Redaktion: Christopher van der Meyden