Wochenrückblick | Transitverfahren, NSU-Prozess, Psychologie

Was haben wir gelernt?

06.07.2018

Transitverfahren statt Transitzentren, Beate Zschäpes Schlussworte im NSU-Prozess und eine psychologische Studie zur Wahrnehmung von Problemen. Die Themen der Woche mit Krautreporter Christian Fahrenbach.

Transitverfahren statt Transitzentren

Es war ein zäher Ringkampf. Über mehrere Wochen schwelte der Asylstreit zwischen CDU und CSU. Erst hatte man sich in der Union auf ein Kompromiss geeinigt. Dann mussten Horst Seehofer und Angela Merkel mit der SPD auch noch den Koalitionspartner mit ins Boot holen.

Die Sozialdemokraten sind zwar gegen die geplanten Transitzentren an der deutsch-österreichischen Grenze, eine Einigung war aber trotzdem vergleichsweise schnell gefunden. Transitverfahren heißt die neue Lösung in der Asyldebatte nun. Einfach nur ein neuer Name oder ein komplett neuer Lösungsansatz?

Das ist eigentlich das, was für mich von dieser Woche bleiben wird. Dass es einen doch fassungslos machen kann, dass fünf Fälle so eine Krise auslösen können. Und Seehofer selbst hat auf eine Rückfrage, ob denn fünf Leute diesen ganzen Streit werte gewesen sind, gesagt: Naja, es geht ihm halt ums Prinzip. – Christian Fahrenbach, Krautreporter

Schlussworte im NSU-Prozess

437 Verhandlungstage verteilt über fünf Jahre hat es gedauert, nun neigt sich der Prozess gegen NSU-Mitglied Beate Zschäpe einem Ende zu. In der nächsten Woche wird das Urteil von Richter Richard Götzl erwartet. In der vergangenen Woche hat sich die Angeklagte in ihrem Schlusswort geäußert. „Ich bedaure, dass die Angehörigen der Mordopfer einen geliebten Menschen verloren haben. Sie haben mein aufrichtiges Mitgefühl“, sagte sie.  Schon früher im Prozess hatte Zschäpe gesagt, sich lediglich moralisch für die NSU-Morde verantwortlich zu fühlen. Juristisch hingegen nicht.

Sie hat das Schlussplädoyer dafür genutzt, um weiter die Theorie zu spinnen, dass sie so ein bisschen das Opfer und eher so eine Art Mitläuferin gewesen sei, keinen besonders hohen Eigenanteil gehabt hat an den ganzen Taten. – Christian Fahrenbach

Keine Probleme = mehr Probleme?

Je besser es uns geht, desto kritischer bewerten wir unsere Umwelt. Das jedenfalls haben die Psychologen David Levari und Daniel Gilbert von der Harvard University herausgefunden. Ist das möglicherweise eine Erklärung dafür, dass wir ständig das Gefühl haben, die Welt wäre schlecht, obwohl es uns doch eigentlich ziemlich gut geht?

Wir blicken immer kritischer auf den Zustand der Welt, je deutlicher sich dieser zum Positiven entwickelt. Das, fand ich, erklärt doch einiges. – Christian Fahrenbach

Über diese Themen der Woche hat detektor.fm-Moderatorin Eva Morlang mit Christian Fahrenbach von den Krautreportern gesprochen.

ist Journalist und  Krautreporter.Also, das ist schon ein dickes Ding, wie da im Zuge der Landespolitik und des Landeswahlkampfs in Bayern Seehofer bereit war, sein Blatt wirklich bis zum Allerletzten auszureizen.Christian Fahrenbachist Journalist und Krautreporter. Jeden Freitag blickt er mit uns zurück auf die Debatten der Woche. 
Krautreporter Wochenrückblick | Asyldebatte, NSU-Prozess & Fehlwahrnehmung von Problemen

Redaktion: Sebastian Ernst