Zu wenig Personal in der Pflege

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10.11.2017

Obwohl die Bevölkerung immer älter wird, gibt es in Deutschland immer weniger Pflegekräfte. ver.di-Chef Frank Bsirske hat nun eine Mindestbesetzung gefordert. Gleichzeitig allerdings kommen weniger Fachkräfte aus Polen nach Deutschland, als in der Vergangenheit. Wie kann ein Pflegekollaps verhindert werden?

Mehr Patienten, weniger Krankenpfleger

Es steht nicht gut um die Pflege in Deutschland. Das weiß auch ver.di-Chef Frank Bsirske. Am Mittwoch forderte er deswegen eine Mindestgrenze für Pflegepersonal. Immer wieder wird in der Debatte auf den demografischen Wandel verwiesen, in naher Zukunft wird es hunderttausende Pflegefälle mehr geben.

Gesundheitsrisiko Krankenhaus

Allerdings geht es nicht nur um die Altenpflege. Auch im Krankenhaus-Betrieb wird dem Pflegepersonal die alleinige Verantwortung über mehr als zehn Patienten überlassen. Menschen, die ständig an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, machen Fehler.

Die immense Arbeitsbelastung ist nicht nur für Patienten gefährlich, auch die Pflegekräfte selbst haben immer mehr gesundheitliche Probleme. Die Überlastung ist teilweise im System der Fallpauschalen angelegt. Krankenhäuser rechnen jeden Patienten als „Fall“ ab. Je schneller ein „Fall“ das Krankenhaus verlässt, desto lukrativer. Die kürzeren Liegezeiten und die Erhöhung der Patientenanzahl führen wiederum zu mehr Arbeitsstress für die Pflegerinnen und Pfleger.

Das System der Fallpauschalen treibt die Krankenhäuser in einen sehr schwierigen Wettbewerb. Krankenhäuser neigen deswegen dazu, möglichst wenig Pflegekräfte in manchen Bereichen zu beschäftigen. — Wolfram Burkhardt, Professor für Management im Gesundheitswesen

Deutschland ist nicht mehr attraktiv

Über lange Zeit konnte der Personalmangel im Gesundheitswesen durch ausländische Fachkräfte ausgeglichen werden. Meist werden polnische Pflegerinnen in privaten Haushalten angestellt — unter äußerst prekären Bedingungen.

Andere Länder bieten bessere Arbeitsbedingungen für die Pflege und mehr Lohn für die Pflegekräfte. Deswegen ist Deutschland für ausländische Arbeitskräfte nicht mehr das attraktive Land. — Wolfram Burkhardt

Ein Großteil des ausländischen Pflegepersonals in Krankenhäuser kommt ebenfalls aus Polen. Polnische Pflegekräfte kamen so häufig, da die Arbeitsbedingungen in Polen noch schlechter sind. Doch dieser Trend hält nicht mehr an. Viele gehen nun nach Norwegen oder Schweden. Das skandinavische Modell könnte ein Vorbild für Deutschland sein: Mehr Geld für das Gesundheitswesen, mehr kommunale Verantwortung und weniger Marktlogik in der Pflege.

Über die Probleme des deutschen Gesundheitssystems und den Personalmangel in der Pflege hat detektor.fm-Moderatorin Sara Steinert mit Wolfram Burkhardt gesprochen.

Wolfram BurkhardtIch habe den Eindruck, dass die Parteien verstanden haben, dass sie mit dem Thema Gesundheit und Pflege derzeit nicht viel gewinnen können. Prof. Dr. Wolfram Burkhardtist Professor für Management im Gesundheitswesen an der Frankfurt University of Applied Sciences. 

Redaktion: Rewert Hoffer