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Khaled Desouki, Pedro Ugarte / AFP
Bild: Khaled Desouki, Pedro Ugarte | AFP

Zurück zum Thema | Arabellion

Zehn Jahre Arabischer Frühling in Ägypten

Vor zehn Jahren haben in Nordafrika und dem Nahen Osten die Proteste gegen Korruption und Diktatur begonnen: der Arabische Frühling oder auch Arabellion. Wir betrachten das Beispiel Ägypten und fragen uns, was davon heute geblieben ist.

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Revolution gescheitert?

Im Frühjahr von 2011 bahnt sich eine Revolution in der arabischen Welt an. Auch Ägypten wird von dieser Entwicklung erfasst. Hunderttausende Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten des Landes kommen bei Massenkundgebungen zusammen, um den damaligen Präsidenten Husni Mubarak abzusetzen – und es gelingt.

Doch die Revolution gerät ins Stocken: Mubarak ist gestürzt, doch die Macht im Staat liegt immer noch bei der autoritären ägyptischen Militärführung. Im Sommer 2012 finden zwar Präsidentschaftswahlen statt, doch der mit einer knappen Mehrheit ins Amt gewählte Muslimbruder Mohammed Mursi muss sich dem Militärrat unterordnen. Unter Mursi geht es der ägyptischen Bevölkerung kaum besser als zuvor, etwa stocken Müllabfuhr und Stromversorgung. Nach nur einem Jahr seiner Präsidentschaft kam es zu erneuten Massenprotesten, General Abdel Fattah al-Sisi hat sich ins Amt des Präsidenten geputscht.

Meiner Ansicht nach ist es zu früh, ein Werturteil darüber abzugeben, ob die Bewegung erfolgreich war oder gescheitert ist.

Jannis Grimm, Forscher am Institut für Protest- und Bewegungsforschung Berlin

Jannis Grimm, Forscher am Institut für Protest- und Bewegungsforschung Berlinprivat

Ägypten, zehn Jahre später

Heute wird das Land nach wie vor von Militärs regiert, Abdel Fattah al-Sisi ist immer noch Staatsoberhaupt. Große Teile der Bevölkerung unterstützen ihn – oder haben sich mit ihm arrangiert. Viel mehr bleibt ihnen auch nicht übrig, denn die Militärregierung verfolgt Kritiker und Oppositionelle. Außerdem sind Demonstrations-, Presse- und Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet von Folter und gewaltsamem „Verschwindenlassen“ von Dissidenten unter al-Sisi.

Im Moment funktioniert die Repression in Ägypten. Aber wenn sich die Lebenssituation der Menschen nicht verbessert, dann werden sie früher oder später wieder auf die Barrikaden gehen.

Karim El-Gawhary, Kairo-Korrespondent des ORF

Karim El-Gawhary, Kairo-Korrespondent des ORFManfred Weis

Was ist also aus der Arabellion in Ägypten geworden? Ist sie unter al-Sisi noch möglich? Das hat detektor.fm-Moderator Yannic Köhler Jannis Grimm gefragt, er ist  Vorstandsmitglied beim Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Karim El-Gawhary ist Kairo-Korrespondent des ORF und Autor des Buches „Repression und Rebellion: Arabische Revolution – was nun?“ Er weiß, wie die aktuelle Stimmung in Ägypten gegenüber der Militärregierung ist.