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Foto: Oli Scarff / AFP
Bild: Oli Scarff | AFP

Zurück zum Thema | Brexit und Fischerei

Wem gehört der Ärmelkanal?

Nach vier langen Jahren sind die Brexit-Verhandlungen vorerst abgeschlossen. Bis zuletzt ein großes Streitthema: die Fischerei. Doch auch mit dem neuen Deal sind viele Fischerinnen und Fischer unzufrieden. Warum sorgt ausgerechnet die Fischereipolitik für so viele Probleme bei Großbritanniens EU-Austritt?

„Zurück zum Thema“ bei Daily Drive

Der lange Streit um die Fischerei

In den Verhandlungen über den Brexit hat es immer wieder kritische Themen gegeben. Viele Kompromisse sind nötig gewesen, mit denen sich die EU und das Vereinigte Königreich arrangieren mussten. Doch besonders ein Interessenkonflikt scheint kein Ende zu nehmen: Welche Länder dürfen in welchen Gewässern fischen?

Großbritannien hat mehr Kontrolle in den eigenen Hochseegebieten gefordert. Aber andere EU-Länder, allen voran Frankreich, wollen ihre Fischereirechte in den fischreichen, britischen Gewässern des Ärmelkanals auch nicht verkleinern.

Welche Folgen hat der neue Brexit-Deal für Fischerinnen und Fischer?

Der Kompromiss, auf den sich die EU und Großbritannien geeinigt haben, ist eine Übergangslösung: Fischereibetriebe aus EU-Ländern dürfen noch weitere fünfeinhalb Jahre in britischen Gewässern fischen. Allerdings wird die Fangmenge dabei nach und nach um bis zu 25 Prozent reduziert.

Wir haben uns mit dem Deal Ruhe erkauft. Aber in spätestens fünf Jahren geht der Hickhack wieder los.

Sascha Zastiral, Korrespondent in London für die „Wirtschaftswoche“

Sascha Zastiral, Korrespondent in London für die "Wirtschaftswoche"Foto: Jiri Rezac

Damit sind jedoch längst nicht alle einverstanden, am wenigsten die Fischer und Fischerinnen. Die deutsche Hochseefischerei befürchtet Kürzungen von bis zu 25 Prozent durch den Brexit. Und auch an Großbritanniens Südküste ist man alles andere als glücklich mit dem Ergebnis der Verhandlungen. Vielen britischen Fischereibetrieben geht es nun schlechter als vor dem neuen Abkommen. Premierminister Boris Johnson hatte ihnen das Gegenteil versprochen.

Der Deal ist besser als das, was die Briten eigentlich wollten.

Ralf Döring, Thünen-Institut für Seefischerei

Ralf Döring, Thünen-Institut für SeefischereiFoto: privat

Britische Symbolpolitik: Geht es hier wirklich „nur“ um Fische?

Auffällig ist: Wirtschaftlich scheint die Fischerei für Großbritannien gar nicht so wichtig zu sein. Sie macht nur 0,12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Und sie stellt auch nur ein Bruchteil des gesamten Handelsabkommens zwischen Großbritannien und der EU dar. Allerdings ist die Fischereipolitik für Boris Johnson von großer symbolischer Bedeutung.

Warum also ist die Fischerei bis zuletzt so ein großes Streitthema in den Brexit-Verhandlungen gewesen? Das hat detektor.fm-Moderator Til Schäbitz Sascha Zastiral gefragt, den Korrespondenten der Wirtschaftswoche in London. Ralf Döring vom Thünen-Institut für Seefischerei weiß, welche Folgen der Brexit für deutsche Fischerinnen und Fischer hat.