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Skoczow,Poland – Juni 26, 2020 : Unterstützer und Gegner von Andrzej Duda auf dem Marktplatz in Skoczów. Foto: praszkiewicz/ shutterstock
Bild: praszkiewicz | shutterstock

Zurück zum Thema I Präsidentschaftswahl in Polen

Warum ist Polen politisch so gespalten?

Der rechtskonservative Duda ist nach einem knappen Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den liberalen Trzaskowski wiedergewählt worden. Weshalb ist Polen politisch so uneins?

Es war knapp: 51,03 Prozent der Polen haben den rechtskonservativen Amtsinhaber Duda, 48,97 Prozent den liberal-konservativen Herausforderer Trzaskowski gewählt. Damit wünscht sich quasi die Hälfte der Wählerinnen und Wähler einen Politikwechsel – das zeigt die politische Zerrissenheit des Landes. Mit dem amtierenden Präsidenten Duda und dem Warschauer Bürgermeister Trzaskowski standen sich nämlich klar abgrenzbare politische Seiten gegenüber: konservativ vs liberal. Die Unterschiede zeigen sich auch auf der Karte: Große Städte und der Westen des Landes stimmen eher liberal ab, ländliche Gegenden und der Osten eher konservativ. Aber warum ist die polnische Gesellschaft so gespalten?

Polen ist in zwei Lager geteilt. Und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit vielen Jahren.

Peter Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Insitut

Der liberale Rafał Trzaskowski

Trzaskowski war schon 2018 der Shootingstar der Oppositionspartei PO, als er überraschend die Warschauer Bürgermeisterwahl gegen einen Kandidaten der PiS-Partei gewann. Er steht für Demokratie und Europa, kurzum: für ein tolerantes und weltoffenes Polen. In das Präsidentschaftsrennen trat er nur zwei Monate vorher ein. Die eigentliche Kandidatin Małgorzata Kidawa-Błońska hatte ihre Kandidatur wegen schlechter Umfragewerte zurückgezogen.

Es ist sicherlich ein Hoffnungszeichen, dass die Opposition tatsächlich lebt oder dass Kräfte im Land leben, die tatsächlich gegen die PiS sind.

Jan Opielka, Journalist

Andrzej Duda und die PiS-Partei

Duda wurde 2015 ins Amt gewählt. Die PO hatte zuvor regiert und durch ihren Aufbruchswillen haben sich einige Polen auf dem Land zurückgelassen gefühlt – Duda und die PiS-Partei konnten das Aufgreifen. Sie stehen für Familie und Tradition, fahren aufs Land und zeigen, dass sie da sind für diejenigen, die sich abgehängt fühlen. Mit der PiS-Partei hatte Duda in den vergangen Jahren das polnische Justizsystem und die Presse nach Vorstellungen des PiS-Parteichefs Jaroslaws Kaczyński aufgeräumt. Kaczyńskis Vorbild: Ungarn. Und damit der autoritäre Umbau des Landes.

Die politischen Kurse könnten nicht konträrer sein. detektor.fm-Moderator Yannic Köhler spricht mit dem Journalisten Jan Opielka über die aktuelle Stimmung in Polen. Peter Oliver Loew, Direktor des Deutschen Polen-Instituts, und Żaklin Nastic, Linken-Politikerin im Bundestag sowie Mitglied in der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe, erklären die Hintergründe zur Spaltung in der polnischen Gesellschaft.