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Demo in Hanau. Foto: Odd ANDERSEN / AFP.
Bild: Demo in Hanau. Foto: Odd Andersen | AFP

Zurück zum Thema | Rechtsterrorismus in Deutschland

Mit Bildung gegen Rechts?

Der antisemitische Anschlag in Halle, die Verhaftung der mutmaßlich rechtsextremen Terrorzelle „Gruppe S.“ und die rassistisch motivierten Morde in Hanau: Die Schlagzeilen über rechtsextremen Terror häufen sich. Erleben wir ein neues Ausmaß rechter Gewalt oder die Fortsetzung eines „alten“ Problems?

Rechtsterrorismus ist als Thema in den deutschen Medien gerade omnipräsent. Häufig wird von einem neuen Ausmaß und einer neuen Qualität der Taten gesprochen. Dabei ist das Thema eigentlich älter als die Bundesrepublik Deutschland (BRD) selbst.

Das ist ein bisschen umstritten in der Wissenschaft – manche verorten das bereits in den 1950er-Jahren.

Prof. Fabian Virchow, Sozialwissenschaftler und Autor

Prof. Fabian Virchow, Sozialwissenschaftler und Autor

Rechtsterrorismus – nicht erst seit dem NSU ein Thema

So diagnostiziert der Wissenschaftler Fabian Virchow bereits in den 1950er-Jahren mit dem „Bunde deutscher Jugend“, kurz BDJ, eine rechtsterroristische Organisation in der BRD. Finanziert von US-amerikanischen Dienststellen haben sich in ihr ehemalige SS- und Wehrmachtsoffiziere gesammelt. Sie waren bewaffnet, in paramilitärischen Strukturen organisiert und hatten mit ihrem „technischen Dienst“ sogar einen eigenen Geheimdienst etabliert, um politische Gegner zu überwachen. Ihr Ziel war es, eine „kommunistische Infiltration“ frühzeitig zu bekämpfen und gegen gewerkschaftliche Organisationen vorzugehen. Das hieß für sie konkret, führende SPD-Politiker an einem „Tag X“ ausschalten zu wollen.

Die Parallelen zwischen dieser Gruppierung und der vor Kurzem verhafteten Terrorzelle „Gruppe S“ sind gravierend. Auch deren Mitglieder waren bewaffnet und wollten an einem Stichtag in zehn Bundesländern Anschläge auf Moscheen verüben. Sie hatten sich erhofft, damit Racheakte zu provozieren, die in einer Art Bürgerkrieg münden würden. Dieser Vergleich zeigt, dass rechter Terror in Deutschland zwar kein neues, aber ein immer noch brandaktuelles Thema ist.

Bildung gegen Rechts

Wichtiger Bestandteil im Kampf gegen Rechts ist die Bildungsarbeit. Vereine wie „Vaja“ versuchen dabei, auf Jugendliche zuzugehen, wenn sie rechte Tendenzen zeigen. Ihr Ansatz ist dabei, die Jugendlichen nicht vorzuverurteilen, sondern zu akzeptieren und ihnen durch Anerkennung und Teilhabe Alternativen zu rechten Strukturen anzubieten.

Das Thema extreme Rechte, ‚Neue Rechte‘, Rechtsterrorismus, demokratiefeindliche Bestrebungen nach 1945 nimmt einen verschwindend geringen Anteil im Lehrplan ein.

Dr. Daniel Trepsdorf, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg

Dr. Daniel Trepsdorf, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg

Ein anderer Ansatz ist, im Schulunterricht anzusetzen, um dort frühzeitig über Rechtsterrorismus aufzuklären. Die Fraktion der Linken in Sachsen hat im Juli 2019 einen Antrag im Landtag gestellt, unter anderem die Gefahren von Rechtsterrorismus im Lehrplan aufzunehmen. Allerdings wurde der Antrag abgelehnt.

Über die Entwicklung rechten Terrors in Deutschland und inwieweit man mit Bildung rechten Gesinnungen vorbeugen kann, bespricht detektor.fm-Moderatorin Maureen Welter in „Zurück zum Thema“. Sie fragt den Sozialwissenschaftler Prof. Fabian Virchow, wieso rechtsterroristische Anschläge häufig nicht als solche erfasst wurden. Außerdem erklären Dr. Daniel Trepsdorf vom Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg und Anne Cathrin Winkelmann vom Verein „Vaja“, wieso Bildung so wichtig ist, um rechtes Gedankengut zu bekämpfen.

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