Ärzteverteilung in Großstädten – Praxen vorwiegend in reichen Vierteln

02.04.2014

Fachärzte folgen dem Geld: das zeigt eine Datenrecherche von Zeit Online. Ärzte lassen sich dort nieder, wo die Kaufkraft hoch ist. Dabei zeigen Studien: Gerade ärmere Menschen werden häufiger krank. Wie kann das sein? Fragen an den Bundesvorsitzenden der niedergelassenen Ärzte.

Die Bewohner ärmerer Stadtteile in Großstädten sind öfter krank und haben trotzdem weniger Haus- und Fachärzte in ihrer Nähe. Foto: PublicDomainPictures | flickr.com |  Lizenz: CC BY 2.0

Eine bekannte Nachricht: Es gibt zu wenig Haus- und Fachärzte auf dem Land. Eine recht neue Nachricht: Auch in den Großstädten verteilen sich die Arztpraxen sehr ungleich. In wohlhabenden Stadtteilen liegt eine Arztpraxis fast neben der anderen, in ärmeren Vierteln muss man die Praxen regelrecht suchen, zeigt ein aktuelles datenjournalistisches Projekt von Zeit online.

Die Folge: Wer arm ist, muss lange warten oder weit fahren. Besonders tragisch ist, dass gerade ärmere Menschen häufiger krank werden, wie Studien belegen. Und gerade ärmere Menschen schrecken manchmal vor einem Fahrkartenkauf zurück, um Geld zu sparen.

fehlen finanzielle Anreize für Ärzte, um sich in ärmeren Stadtteilen niederzulassen. Foto: © opata/axentis – NAV-Virchow-BundDirk Heinrichfehlen finanzielle Anreize für Ärzte, um sich in ärmeren Stadtteilen niederzulassen. Foto: © opata/axentis – NAV-Virchow-Bund 

Mögliche Lösungen

Damit Arztpraxen in Deutschland verteilt werden können, wurde das Land in über 800 Planungsbereiche untergliedert. In jedem Teil muss eine bestimmte Ärztequote erreicht werden, darf sie aber auch nicht übersteigen. Allerdings sind die Großstädte selbst nicht weiter untergliedert worden. Das zu tun wäre eine mögliche Lösung.

Eine weitere Lösung könnte die Idee von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks sein. Sie fordert, Ärzte nach Leistung zu bezahlen und nicht danach, ob sie einen Privatpatienten oder einen gesetzlich-versicherten Patienten behandeln.

Die Lösung im Koalitionsvertrag

Eine weitere Lösung steht im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung: Sie sieht vor, dass die Kassenärztliche Vereinigung freiwerdende Arztsitze in überversorgten Gebieten aufkauft. Bei Neuzulassungen würden dann die Standorte festgelegt.

Was solche Lösungsvorschläge für die Ärzte bedeuten, haben wir mit Dirk Heinrich, dem Bundesvorsitzenden des Verbands niedergelassener Ärzte in Deutschland (NAV Virchow-Bund) diskutiert.

Wir müssen bei der Vergütung von niedergelassenen Haus- und Fachärzten etwas machen. Die sind in den letzten Jahren vernachlässigt worden und für die muss dringend von den Krankenkassen mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Anders wird es nicht gehen. – Dirk Heinrich, NAV-Virchow-Bund