Alte Klamotten zu H&M: Marketingstrategie oder echtes Umweltengagement?

08.12.2012

Alte Kleidung für die Umwelt spenden und dafür einen Rabatt-Gutschein für den nächsten Einkauf bekommen. Die Modekette H&M sorgt mit ihrer neuen Aktion für Kritik. Ist die berechtigt - und was kann man noch mit Altkleidern machen?

Ab Februar kann in 80 deutschen Filialen der schwedischen Modekette H&M gebrauchte Kleidung abgegeben werden. Dass die Kunden dabei auch einen Gutschein für den nächsten Einkauf erhalten, sorgt für Kritik. Foto: Margarethe Wichert/dapd

Nicht nur Frauen kennen das Problem: Wohin mit Klamotten, die nicht mehr passen, kaputt sind oder einfach nicht mehr gefallen? Die Antwort könnte bald lauten: Ab damit zu H&M.

Redakteur bei der Zeitschrift TextilwirtschaftJörg NowickiRedakteur bei der Zeitschrift Textilwirtschaft 

Die schwedische Modekette nimmt ab Febraur zunächst in 80 der rund 400 deutschen Geschäften Altkleider an, langfristig soll das in allen FIlialen möglich sein. „Wir wollen der Umwelt Gutes tun, deshalb möchten wir unseren Kunden eine attraktive Lösung bieten: ihre ausgetragene, oder kaputte Kleidung bei H&M zu lassen“, sagt CEO Karl-Johann Persson.

Geschäft mit Altkleidern ist umstritten

Was wie ein sinnvolles Projekt für Nachhaltigkeit und Umweltschutz klingt, wird jedoch heftig kritisiert. Denn das Geschäft mit Altkleidern ist umstritten, zumal H&M die Kleiderspenden an ein Unternehmen übergibt, das sich um die Weiterverwertung kümmert. Kritik wird auch an den Rabattgutscheinen geübt, die Kunden für ihre Altkleiderspende erhalten: Pro abgegebener Tüte gibt es 15 Prozent Nachlass für einen Artikel beim nächsten Einkauf. Zwar ist die Anzahl der abgegebenen Tüten nach Angaben des Unternehmens auf zwei pro Tag und Person begrenzt, trotzdem werden die Kunden so wieder zum Kauf neuer Klamotten animiert. Nach Ressourcenschonung und Reduzierung der Textilabfälle, die H&M als Gründe für ihre Initivative angibt, klingt das nicht.

Ob diese Aktion also nur ein cleverer PR-Coup oder tatsächlich eine nachhaltige Strategie des Unternehmens ist, erklärt Jörg Nowicki, Redakteur bei der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“, im Interview:

Das ist natürlich auch eine sehr gelungene Marketingaktion. … Aber letzlich stehen solche großen Konzerne unter großem Druck und müssen nachhaltig agieren, weil die Konsumenten und Medien sie immer schärfer im Visier haben. (Jörg Nowicki)

Kreative Lösungen für alte Klamotten

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, den Kleiderschrank auszumisten. Altkleider können in Containern oder bei Straßensammlungen abgegeben werden. Wer sicherstellen möchte, dass seine alten Klamotten einem guten Zweck zukommen, sollte auf das Siegel der Organisation FairWertung achten.

Markenkleidung, gut erhaltene Klamotten und auch Schuhe und Taschen lassen sich über Second-Hand-Läden und Internetportale wie ebay-Kleinanzeigen oder Kleiderkreisel verkaufen. Auch Flohmärkte, die regelmäßig in allen großen Städten stattfinden, sind eine gute Gelegenheit, mit Fehlkäufen und Überflüssigem sogar Geld zu verdienen.

Wer handwerklich geschickt ist, kann aus alten Sachen sogar selbst neue machen: Upcycling heißt der Trend, den inzwischen auch Modedesigner für sich entdeckt haben. Designerin Megan Nielsen erklärt in ihrem Blog, wie man aus einem langen Kleid ein kurzes machen kann oder wie aus einem alten Pullover ein Schal und ein Paar Stulpen werden. Eine Videoanleitung, wie aus einem alten Herrenhemd ein Kissenbezug wird, gibt es hier: