Antritt | Nextbike zur Fahrradverleih-Debatte

"Wir sind ja nicht auf der Wurstsuppe hergeschwommen"

02.08.2018

Immer mehr neue, meist asiatische Anbieter für Leihräder drängen auf den deutschen Markt. Mareike Rauchhaus von nextbike spricht mit uns über Chancen und Risiken dieser Entwicklung.

Bis vor ein paar Monaten ist der Fahrradverleih-Markt in Deutschland noch übersichtlich gewesen. Es gab die Call-A-Bike-Räder der Deutschen Bahn und neben ein paar lokalen Anbietern noch Nextbike. Seit gut einem Jahr drängen jedoch viele neue, meist asiatische Anbieter auf den Markt. Firmen wie obike, Mobike oder Ofo sind in einigen Städten mit tausenden Rädern aufgetaucht und sorgen für hitzige Debatten.

Fahrradverleih-Chaos

Die meisten dieser neuen Anbieter werden mit Skepsis gesehen. Zum einen gibt es im Gegensatz zu den etablierten Anbietern, wie der Deutschen Bahn oder Nextbike, meist keine festen Stationen. Tausende Leihräder werden quasi einfach in den Straßen abgeladen und können jederzeit an einem beliebigen Ort abgestellt werden. Vielerorts werden Leihräder deshalb als „optische Umweltverschmutzung“ beschmipft. Zusätzlich scheint sich in Städten wie München, Frankfurt am Main oder Berlin auch kaum jemand um Wartung und Service der vielen Räder zu kümmern.

Für Mareike Rauchhaus von Nextbike, einem etablierten Anbieter, hat der Ärger auf dem Fahrradverleih-Markt zwei Aspekte.

Die Medaille hat zwei Seiten. Es belebt wirklich das Geschäft. Die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Bike-Sharing ist seit einem Jahr generell immens gestiegen. Es wird mittlerweile aber wegen der Räder, die ohne besonderen Service auf der Straße stehen, auch kritisch betrachtet. […] Und dass die Öffentlichkeit da jetzt differenziert, […] das ist bei der ganzen Vielfalt wahrscheinlich ein bisschen viel verlangt. – Mareike Rauchhaus von Nextbike

Ohne Investition keine Garantie

Nextbike arbeitet wie auch die Deutsche Bahn als Leihrad-Anbieter eng mit Städten und Kommunen zusammen, erklärt Mareike Rauchhaus. Städte und Kommunen schreiben ein Fahrradverleih-System aus oder vergeben Konzessionen an Unternehmen. Dadurch haben die Städte und Gemeinden auch die Möglichkeit, eigene Regeln für den lokalen Fahrradverleih festzulegen. Ohne vertragliche Absprachen besteht für eine Stadt oder Kommune außerdem keine Garantie, erklärt Mareike Rauchhaus.

Mareike Rauchhaus von nextbikeWenn du als Kommune nicht investierst, dann ist es eben so, dass man sich, wie zum Beispiel in Dortmund, auf Zusagen von Ofo verlässt, dass die auftauchen werden. Manchmal tauchen die dann eben nicht auf. Dann hast du kein Bike-Sharing-System in deiner Stadt und bist eben doch nicht so modern und smart wie du gedacht hast.Mareike Rauchhausarbeitet für Nextbike und fährt mit dem Rad zur Arbeit. 

Mareike Rauchhaus von Nextbike hat mit den detektor.fm-Moderatoren Christian Bollert und Isabel Woop über die neue Leihfahrrad-Konkurrenz und die Strategie von Nextbike gesprochen.


Der passende Podcast (u.a. Apple Podcast, Deezer, Google Podcasts und Spotify) mit der gesamten Ausgabe bietet den idealen Soundtrack für das Rad. Antritt ist auch bei Facebook.