Arbeit 4.0 und die drohende Arbeitslosigkeit

Weniger Arbeit: Zwischen Komfort und Perspektivlosigkeit

22.01.2016

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Produktionsabläufe aus allen Branchen werden zunehmend digitalisiert und automatisiert. Arbeitsplätze in ganzen Industrien werden dadurch verschwinden - doch was werden die Folgen für die Menschen sein? Darüber haben wir mit dem Journalisten und Schriftsteller Mathias Greffrath gesprochen.

Der technische Fortschritt bietet viele neue Chancen und Annehmlichkeiten, doch er fordert auch seinen Tribut: der Mensch verliert in vielen Bereichen an Bedeutung. Noch herrscht Uneinigkeit über das genaue Maß, doch dass die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung Arbeitsplätze kosten wird, gilt als sicher. Bereits heute könne man 45 Prozent der Arbeitstätigkeiten in den USA mit der bestehenden Technik automatisieren, meint die Unternehmensberatung McKinsey.

Massive Jobverluste

Auch andere Studien kommen gravierenden Ergebnissen. Die London School of Economics berechnete für Deutschland, dass rund die Hälfte der Jobs hierzulande durch die Technologisierung der Arbeitswelt gefährdet sind. Für Länder wie Portugal und Rumänien sieht die Prognose noch drastischer aus.

Die Hauptveränderungen werden stattfinden in der Verwaltung, im Vertrieb, in der Logistik und im Verkauf. Aber auch in menschenverbundenen Berufen wie Pflege und Medizin wird sich einiges verändern. – Mathias Greffrath, Journalist

Aber das ist nur eine Seite der Medaille: Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung könnten in den kommenden Jahren in Deutschland rund 430.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig sei mit dem Verlust von rund 490.000 Stellen zu rechnen. Zusätzlich zu diesem Minus ergibt sich das Problem, dass die neuen Jobs meist höhere Qualifikationen wie Software-Kenntnisse erfordern, da einfache Arbeiten kostengünstiger von Robotern erledigt werden können.

Während die stündlichen Arbeitskosten in der Automobilindustrie momentan noch bei rund 40 Euro liegen, wären für entsprechende Roboter mit Nebenkosten nur 3 bis 6 Euro pro Stunde nötig, so VW-Personalvorstand Horst Neumann.

Der Rationalisierungsprozess wird ganz viele Branchen erfassen. – Mathias Greffrath, Journalist

Um konkurrenzfähig zu bleiben, treiben Unternehmen diesen Kurs der Rationalisierung voran. Leiden werden daran vor allem die Menschen, die nur gering qualifiziert sind und einfache Tätigkeiten ausüben. Der Berufsstand des Taxifahrers beispielsweise wird im Zeitalter des selbstfahrenden Autos nur äußerst schwer überleben können.

Das Voranschreiten der Industrie 4.0 erfordert also auch das Nachdenken über eine Bildungsoffensive, um die Arbeitnehmer auf die neuen Herausforderungen der digitalisierten und automatisierten Welt vorzubereiten.

Hilft nur eine Verkürzung der Arbeitszeit?

Doch damit ist das Problem auch noch nicht gelöst. Die Menge an verfügbarer Arbeit wird unweigerlich abnehmen. Eigentlich eine positive Entwicklung, da uns die Technik viele unbeliebte Aufgaben abnehmen wird. Das entstehende Vakuum gilt es zu füllen – zum Beispiel, indem Arbeit besser verteilt wird. Und auch kürzere Arbeitszeiten generell könnten einen Anstieg der Erwerbslosenzahlen verhindern.

Diese Ansicht teilt auch der Journalist und Autor Mathias Greffrath. Mit ihm hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller über die die negativen Folgen der Arbeit 4.0 und mögliche Lösungen gesprochen.

Mathias GreffrathDas Grundeinkommen ist eine logische Konsequenz, doch es ist die schlechte. Das Grundeinkommen würde dazu führen, dass man die Leute, die man nicht mehr braucht, alimentiert, wahrscheinlich nicht auf einem hohen Niveau. [...] Dies würde die Gesellschaft spalten.Mathias Greffrathglaubt, dass die Roboter-Revolution nach neuen Antworten auf gesellschaftliche Arbeit verlangt. 

Redaktion: Markus Vorreyer