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Arbeiten im Ruhestand – aus Armut oder Langeweile?

Mehr als 760.000 Ruheständler verdienen in Minijobs neben der Rente noch zusätzliches Geld. Das sind 60 Prozent mehr als noch 2000. Immer mehr Altersarmut – oder schlicht Lust am Nebenjob?

Prof. Dr. Gerhard Bäcker - ist Soziologe u.a. für Alter, Altersicherung und Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen.

ist Soziologe u.a. für Alter, Altersicherung und Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen.
Prof. Dr. Gerhard Bäcker

Die Zahl der Rentner, die in Minijobs arbeiten, steigt. Seit dem Jahr 2000 sind es ca. 280.000 Ruheständler mehr, die neben ihrer Rente einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Von den insgesamt 761.000 Minijobbern im Rentenalter sind 120.000 sogar 75 Jahre oder älter. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Bundestagsfraktion der Linken hervor.

Minijobs, oder auch 400-Euro-Jobs, sind geringfügige Beschäftigungen, bei denen die Entgeltgrenze bei 400 Euro liegt und bei denen Arbeitnehmer keine Steuern und Abgaben zahlen müssen. Nach Aussagen der Bundesagentur für Arbeit sind Rentner allerdings nicht nur auf diese Art beschäftigt: 154.000 der Ruheständler arbeiten auch in sozialversicherungspflichtigen Jobs.

Falscher Alarm?

Während Sozialverbände das als ein deutliches Zeichen für steigende Altersarmut sehen, sind Arbeitsmarktexperten weniger besorgt. Sie sehen diesen Trend darin begründet, dass viele Menschen ab 65 Jahren noch fit sind – und schlicht arbeiten möchten.

Prof. Gerhard Bäcker hat für uns eingeschätzt, welche der beiden Seiten zutrifft. Er ist Professor am Institut für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen.