AutoMobil | Das vernetzte Auto

27.09.2013

Das Auto soll Teil des Internets werden, versprechen die Hersteller. Die diesjährige IAA zeigt: Bis dahin ist es gar nicht mehr so weit.

Apps halten Einzug ins Auto-Cockpit. Foto: Johannes Eisele, AFP

Dank neuer Technologien wird die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen stetig verbessert. Denn Autofahren kann durch eine Internet-Verbindung nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer und intelligenter werden.

Fahrzeuge werden mit der Außenwelt verknüpft: Das Auto wird vernetzt. Das ist das erklärte Ziel auch auf der Internationalen Automobilaustellung, die gerade in Frankfurt die gesamte Branche versammelt hat.

Wie das vernetzte Auto aussieht, haben Marcus Engert und Stefanie Gerressen auf der IAA in Frankfurt herausgefunden.

„AutoMobil“ wird präsentiert von Carglass.

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Der Beitrag zum Nachlesen:

Mithilfe des Navis den Stau umfahren, das ist heute bereits Standard in vielen Autos. Aber das Auto, das den nächsten freien Parkplatz selbst ermittelt, die Autobahn per Autopilot befährt und der Motor, der direkt an die Werkstatt eine Fehlermeldung übermittelt – all dies wird gerade entwickelt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Anbindung ans Internet. Das Internet ins Auto zu holen ist jedoch nicht neu, sagt Stefan Grillneder von BMW.

Bei BMW bieten wir unseren Kunden seit 2001 BMW Online im Fahrzeug beispielsweise an, also das ist im Prinzip ein internetbasiertes Nachrichten/ Newsportal wo ich aktuelle News habe, Wetterbericht, aber auch verschiedene Anwendungen wie beispielsweise Niederschlagsradar oder Parkplatzsuche oder auch eine iSki-App – also wir verbinden hier wirklich verschiedenste Dienste zu einem intelligenten Paket, mit dem der Fahrer auch während der Reise immer topaktuell informiert ist und alle wesentlichen Informationen sicher und bequem an der Hand hat.

Auch andere Hersteller haben in der Vergangenheit auf eigene Systeme gesetzt. Doch mit dem Aufkommen des Smartphones haben viele erkannt, dass geschlossene Systeme beim Kunden nicht so gut ankommen. Für die Hersteller macht es häufig wenig Sinn, sich in Eigenregie um Wetter- oder Navigationsdaten oder das Musik-Streaming zu kümmern – darauf haben sich andere schon längst spezialisiert. Immer öfter arbeiten sie deshalb mit Zulieferern wie Continental oder dem IT-Konzern IBM zusammen. Bei Continental etwa, bedeutet das vernetzte Auto auch das Fahrzeug selbst intelligenter zu machen, sagt Enno Pflug:

Das große Ding ist natürlich die Cloud. Also langfristig kann man sich überlegen, dass von verschiedensten Stellen die Informationen in die Cloud geliefert werden. Das könnte sein: die Verkehrszentrale… das könnte sein – zum Beispiel die Radiosender, die die Verkehrsinformationen sammeln zum Beispiel über die Hörer. Das können aber auch die Autos selbst sein. Die ja ständig Daten sammeln, dadurch: wie schnell fahre ich, wo bin ich, musste ich gerade notbremsen oder musste ich ausweichen? Wenn fünf Fahrzeuge an einer bestimmten Stelle alle hintereinander ausweichen, heißt das, da ist irgendwas auf der Straße. Und genau aus diesen Informationen, da können wir uns langfristig einen Datenteppich vorstellen.

Das heißt, das Auto soll lernen um die Ecke zu sehen und vorauszuschauen. Das ist deutlich mehr als das, was sich dviele unter einem vernetzten Fahrzeug vorstellen – nämlich Emails auch beim Fahren zu lesen oder seinen facebook-Status zu aktualisieren, meint Enno Pflug von Continental weiter.

Langfristig kann man sich tatsächlich vorstellen, dass die ganze Vernetzung und automatisiertes Fahren dazu führt, dass man auch ganz bequem während der Fahrt auf facebook und auf anderen Webseiten surfen kann, aber im ersten Schritt geht’s wirklich darum Dienste, also Informationen aus dem Internet zu nutzen während der Fahrt. Damit man eben weiß, was ist denn auf der Strecke voraus los?

Diese Dienste treten im vernetzten Auto vor allem als Apps in Erscheinung. Aber man stelle sich einen Fahrer vor, der ständig an seinem Smartphone ein Touchscreen bedient – richtig sicher klingt das nicht. Ein Problem, dessen sich Hersteller bewusst sind. Sprachsteuerung ist deshalb wohl die logische Weiterentwicklung der Bedienung. Doch auch diese hat Schwächen. Das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, in einer Warteschleife oder seinem Smartphone Sprachbefehle zu geben. Bis das ausgereift ist, wird an hochauflösenden Displays gearbeitet, die immer nur die gerade benötigten Informationen zeigen. Alles andere wird ausgeblendet und der Fahrer nicht abgelenkt. Doch erste Formen der Sprachbedienung funktionieren bereits, erklärt Stefan Grillneder von BMW:

Vom Anzeigebedienkonzept her haben wir schon 2008 das Headup-Display eingeführt, was sämtliche fahrrelevanten Informationen direkt in das Sichtfeld des Fahrer projeziert und so der Blick wirklich fokussiert auf der Straße bleiben kann, aber wir arbeiten natürlich auch an Themen wie Sprachsteuerung. Also wir haben letztes jahr im Sommer eine Funktion ins Fahrzeug gebracht, nämlich die Diktierfunktion, damit kann ich SMS oder auch Emails diktieren, ohne dass ich jetzt dazu aufs Display schauen muss oder sonst irgendwie abgelenkt bin.

Informationen aus dem Auto live zu übertragen funktioniert natürlich nur mit einer stabilen Verbindung ins Internet. Dazu gibt es zwei Lösungen: entweder wird das Smartphone einfach ans Auto angeschlossen. Oder das Auto bekommt gleich eine eigene SIM-Karte verpasst. Die Verbindung von Smartphone und Auto hat auch der finnische Telekommunikationskonzern Nokia für sich entdeckt und auf der IAA seine Idee von Connected-Driving vorgestellt. Sie soll Herstellern künftig dabei helfen, das Auto mit dem Internet und entsprechenden ortsbezogenen Diensten zu verbinden. Aber ein Telekommunikationskonzern wie Nokia ist auch daran interessiert, eigene Geräte an das Auto zu koppeln. Eine wichtige Schnittstelle ist dabei Musik. Tom Erskine von Nokia erklärt die Vision.

We see a world where a consumer gets into that car for their commutes or for leisure or for any purpose – and right away, the music they want to play is personal to them. It´s their own radio station, it´s inspired by their own artist they like. There´s no advertising in the service, a customer can skip tracks and it generally takes the radio experience and updates it for the digital age. That´s our vision and it´s very exciting and we´re very excited to work with HERE to make that reality.

Personalisierung – ein weiterer Punkt der bei dem vernetzten Fahrzeug eine große Rolle spielt. Der Fahrer soll nicht nur die richtigen Informationen zur richtigen Zeit im Auto abrufen können. Er soll es sich auch so einrichten wie es ihm am besten passt. So wird das vernetzte Auto zum rollenden Smartphone.