AutoMobil | Verein, Stiftung, AG: Der ADAC strukturiert sich um

Bloß neues Gesicht oder neue Identität?

12.12.2014

Der ADAC hat getagt - in einer Vollversammlung wie seit 1948 nicht mehr. Herausgekommen ist ein 3-Säulen-Modell mit anteiliger Aktiengesellschaft. Wie vertrauensvoll ist die Umstrukturierung? Eine Einschätzung.

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Alles begann am 14. Januar 2014: Die Süddeutsche Zeitung gab die verfälschte Mitgliederabstimmung zur Wahl des „Gelben Engel“ bekannt. Danach kam es Schlag auf Schlag mit den Skandalen innerhalb des größten Automobilclubs Europas. Rettungshubschrauber, die Präsidiumsmitglieder als Privatjets missbrauchten, und Pannenhelfer, die für den Verkauf von Batterien Prämien kassierten, sind nur zwei Beispiele.

Verantwortliche müssen gehen, externer Beirat kommt

Der Automobilclub reagierte noch im Februar: Michael Ramstetter, bis dato Pressechef des ADAC und Verantwortlicher der Wahl zum „Gelben Engel“, musste gehen. Ihm folgte ADAC-Präsident Peter Meyer. Darüber hinaus führte der Verein einen externen Beirat ein. Dieser besteht bis heute unter anderem aus Mitgliedern von Unicef Deutschland, Transparency International Deutschland sowie Hans-Jürgen Papier, dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Mitglieder also, deren berufliche Funktion Vertrauen suggeriert.

Ist das positive Image jedoch einmal zerstört, dauert es nicht nur drei spontane Entscheidungen, bis es wiederhergestellt ist. Das ist Stoff des ersten Semesters jeglichen Studiengangs, der sich mit Marketing beschäftigt. So hat der ADAC bis heute mehrere hunderttausend Mitglieder verloren. Mit dem Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung von vergangener Woche soll sich das ändern.

Das 3-Säulen-Modell

Die Mitglieder haben am 6. Dezember nicht nur August Markl zum neuen Vorsitzenden gewählt. Es wurde auch ein „3-Säulen-Modell“ beschlossen. Und zwar einstimmig. Das sieht vor, zwei Teile des ADAC als Stiftung und Aktiengesellschaft auszugliedern. Die Stiftung soll 25 Prozent der Anteile der Aktiengesellschaft halten. Diese ist wiederum laut Vereinsbeschluss für die Wirtschaftsaktivitäten verantwortlich.  Das macht das Oberziel der Umstrukturierung deutlich: Für Transparenz sorgen. Schließlich müssen in einer Aktiengesellschaft die Rechnungslegung wie Aufsichtsratsstruktur offengelegt werden.

Ein weiteres angestrebtes Ziel: Wirtschafts- von Vereinsaktivitäten trennen. Ob der ADAC seinen Vereinsstatus behalten und somit steuerlich vergünstigt werden kann, steht noch nicht fest. Entscheiden wird das das Münchener Amtsgericht. Eine Einschätzung über die Dreiteilung und das bevorstehende Urteil des Gerichts gibt Wirtschaftswissenschaftler Michael Adams detektor.fm-Moderatorin Maj Schweigler.

Presse16Das Problem für diese Vereine ist, dass sie Milliarden umsetzen (...) und gleichzeitig gemeinützig sein wollen, gleichzeitig ein harmloses Vereinsleben vorführen wollen.Michael Adams ist emeritierter Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg und analysierte Strukturen von Non-Profit-Organisationen, unter anderem die des ADAC. 

Die Chronik des ADAC-Skandals dieses Jahres hat detektor.fm-Redakteurin Lisa Kettwig zusammengefasst.


 

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