Bargeldtransfer von Migranten: Umstritten, aber notwendig

Private Entwicklungshilfe?

28.04.2017

Menschen aus anderen Ländern, die in Industrienationen leben und arbeiten, schicken oftmals viel Geld in ihre Heimat. Dieser weltweite Bargeldtransfer übersteigt staatliche Entwicklungshilfen um das Dreifache. Wer profitiert am Ende davon und wieso steht der Bargeldtransfer regelmäßig in der Kritik?

Was Bargeldtransfer mit Entwicklungshilfe zu tun hat

Arbeitsmigration hat viele Gründe. Menschen kommen hier her, weil sie ihre Familien in der Heimat nicht ernähren können. Aber auch die Qualität des Studiums oder der Ausbildung bringt immer mehr Menschen nach Deutschland. Doch das Geld, das sie hier verdienen, geht häufig in die alte Heimat zurück. Rücküberweisung von Migranten in ihre Herkunftsländer nennt man das oder auch Remittances.

Rücküberweisungen von Migrantinnen erhöhen die Konsummöglichkeiten der Haushalte. Sie werden gespart, in Bildung und Gesundheit investiert. Aber trotzdem sind sie kein Ersatz für die offizielle Entwicklungshilfe. – Kirsten Schuettler, Weltbank in Washington

Diese Rücküberweisungen betragen weltweit über 600 Milliarden US-Dollar jährlich. Diese Summe übersteigt staatliche Entwicklungshilfen um das Dreifache. Ein extremes Beispiel: Im Jahr 2013 beruhten 42 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von Tadschikistan auf Rücküberweisungen. Die Wirtschaft vieler Schwellen- und Entwicklungsländer ist von diesen privaten Geldflüssen abhängig.

20 Milliarden Dollar verlassen Deutschland

Deutschland ist eines der größten Absenderländer sogenannter Remittances. Viele Arbeitsmigranten hierzulande kommen aus Vietnam oder dem Maghreb. Aber auch nach Zentralafrika oder in den Nahen Osten wird viel Geld überwiesen. Unsere Wirtschaft leidet allerdings nicht unter diesem Kapitalabfluss, ganz im Gegenteil. Auch versendete Sachgüter sind im Grunde positiv: sie werben für die deutsche Qualität.

Wenn das Geld fließt, klingeln die Kassen

Die großen Profiteure von Geldflüssen durch Arbeitsmigration sind private Finanzdienstleister. Ria, MoneyGram und Western Union haben ein beachtliches Netz an Filialen weltweit aufgebaut. Sie ermöglichen, dass Bargeld verlässlich von A nach B kommt. Doch diesen Dienst lassen sie sich auch ordentlich bezahlen. Wegen der hohen Gebühren stehen die Unternehmen immer wieder in der Kritik. Vor allem, da viele Menschen gar keine andere Möglichkeit haben, ihre Familien zu unterstützen.

Die globalen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen dem Bargeldtransfer, Arbeitsmigration und Entwicklungshilfe sind verstrickt. Was die Rolle großer Finanzdienstleister für die Weltwirtschaft und im Besonderen für Deutschland bedeutet, hat uns Kirsten Schuettler erklärt. Sie ist Expertin des Teams Migration and Remittances der Weltbank in Washington und war im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Marie Landes.

Kirsten SchuettlerDeutschland zählt zu den top zehn Sendeländern von Rücküberweisungen.Kirsten Schuettlerist Expertin für Migration und Remittances der Weltbank. 

Redaktion: Charlotte Muijs