Sechs Monate Abgasskandal | Eine Bilanz

"Das kann noch größer werden"

12.05.2016

Seit dem Herbst vergangenen Jahres versinken deutsche Autohersteller in einem Skandal um manipulierte Abgaswerte. Auslöser waren die Testergebnisse des VW-Konzerns. Wie kommt Volkswagen mit der Krise klar? Eine Bilanz.

Millionenschwerer Betrug

Mit einer „Notice of Violation“ der Environmental Protection Agency (EPA) begann am 18. September 2015 der Abgasskandal. Darin erklärte die US-Behörde, dass der Volkswagen-Konzern Abgasnormen verletzt habe. Dazu hatte VW eine illegale Software genutzt, die die Motoren ihrer Fahrzeuge während der Abgastests so einstellte, dass weniger Stickoxide gemessen werden als im Normalbetrieb.

Man hat sehr früh zugegeben, dass es einen Betrug gab. Damit hat sich VW juristisch selber ein Bein gestellt. – WirtschaftsWoche-Redakteur Martin Seiwert

Fragwürdige Personalentscheidungen

Wenige Woche später konnte die EPA auch Manipulationen bei den VW-Töchtern Audi und Porsche nachweisen.Volkswagen-Vorstand Martin Winterkorn trat daraufhin zurück und wurde durch Porsche-Vorstand Peter Müller ersetzt. Auch andere Personalien ließen Zweifel am Aufklärungswillen der Konzernspitze aufkommen. Etwa die Berufung von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat.

Die Frage ist, ob er der richtige Aufklärer ist in der Sache. Denn er war ja zuvor selber Vorstand. Er hat jetzt auch die Aufgabe gegen sich selbst zu ermitteln. – Martin Seiwert

Persilschein für die Führungsetage

Und der Konzern trifft weiter fragwürdige Entscheidungen in der Aufarbeitung des Abgasskandals. So beschloss er am Donnerstag, seinen Aktionären vorzuschlagen, die komplette Führungsetage zu entlasten. Es wirkt wie ein selbst ausgestellter Persilschein für das Management. Abstimmen müssen die Anteilseigner darüber am 22. Juni.

Schlechte Kommunikation, zweifelhafte Entscheidungen und neue Enthüllungen: Martin Seiwert von der WirtschaftsWoche zieht im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Alexander Hertel eine sehr ernüchternde Bilanz des Abgasskandals.

martin-seiwert_wirtschaftswocheBMW hat es offensichtlich geschafft, eine Abgasreinigung hinbekommen, die die gesetzlichen Grenzwerte erfüllt. Das ist peinlich für alle anderen Autohersteller. Denn es zeigt, dass es geht. Wenn man denn nur will.Martin Seiwertfindet, dass sich die meisten deutschen Autohersteller im Abgasskandal nicht mit Ruhm bekleckert haben.