Bio-Eier: Von wegen öko

Gesetze lassen Spielraum

24.01.2018

90 Prozent der Bio-Legehennen in Brandenburg werden zu Zehntausenden in Großbetrieben gehalten. Nicht unbedingt das, was sich der Verbraucher unter "bio" vorstellt. Wie kann das sein?

Bio-Eier aus Massenbetrieben

Gutes Futter, verhältnismäßig viel Platz, weniger Tiere. So stellen sich viele Verbraucher die klassische Bio-Haltung vor. Dass auch die nicht allzu idyllisch ist, dürfte klar sein. Recherchen des rbb zeigen nun allerdings, wie weit die Haltung vieler Bio-Legehennen tatsächlich davon entfernt ist. 90 Prozent der Bio-Hennen in Brandenburg leben in Großbetrieben. In einem Bio-Betrieb wurden sogar bis zu 30.000 Hennen gehalten. Und das, obwohl nach dem EU-Biostandard eigentlich nur 3.000 Hennen in einem Stall gehalten werden dürfen. Die Betonung liegt hierbei auf „eigentlich“.

Behörden legen EU-Bio-Verordnung großzügig aus

In Deutschland ist die Länderarbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau für die Bio-Standards zuständig. Das ist der Arbeitskreis der staatlichen Kontrollstellen der Bundesländer. Die Behörde ist für die Interpretation der EU-Bio-Verordnung zuständig.

Man hat es einfach bei der Auslegung in Deutschland so gemacht, dass man aus einem ein Stall ein Stallabteil gemacht hat. – Dario Sarmadi von foodwatch

So leben in einem Stallgebäude weit mehr als 3.000 Tiere zusammen. Trotz der Markierung der Bio-Eier bleiben so die Haltungs- und Lebensbedingungen der Hennen oftmals unklar.

Gesunde Tiere?

Um die Haltung der Tiere zu verbessern, bräuchte es verbindliche Kriterien für die Tiergesundheit. Denn ob die Tiere gesund sind oder nicht, hängt nicht unbedingt von der Größe des Betriebes und der Haltungsart ab. Studien zeigen, dass Krankheiten eher auf das Stallmanagement eines Betriebs zurückzuführen sind.

Die Größe ist gar nicht so entscheidend, wenn wir über die Gesundheit der Tiere reden: Kleiner Bio-Betrieb ist nicht gleich gesund. – Dario Sarmadi

Über die Problematik bei der Haltung von Bio-Legehennen, die kreative Auslegung der EU-Bio-Verordnung und wie die Situation verbessert werden kann, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Juliane Neubauer mit Dario Sarmadi gesprochen. Er ist der Pressesprecher von foodwatch.

Foodwatch |Darek GontarskiEin Optimierungsbedarf besteht bei der EU-Öko-Verordnung nicht nur im Bereich Stallgrößen. Wir haben da viele Baustellen.Dario Sarmadiarbeitet als Pressesprecher bei foodwatch. Foto: foodwatch | Darek Gontarski 

Redaktion: Amelie Berboth