Kurseinbrüche an Chinas Börsen

Droht ein neuer Crash?

07.01.2016

Die Kurse an den Börsen in China befinden auf Talfahrt. Mittlerweile ist die Krise auch auf die westlichen Märkte übergeschwappt. Der DAX ist auf unter 10.000 Punkte gefallen. Doch wie sind die aktuellen Ereignisse einzuschätzen? Ein Gespräch mit dem Ökonom Christoph Rottwilm.

China befindet sich wirtschaftlich betrachtet in einer schwierig einzuschätzenden Situation. Jahrelang kannten die Prognosen nur eine Richtung: nach oben. Doch Chinas Gesellschaft und Wirtschaft befinden sich im Umbruch. Auch internationale Krisen lassen das Land nicht unberührt. Somit fiel das Wirtschaftswachstum des Landes im dritten Quartal 2015 so niedrig aus wie seit der Weltfinanzkrise 2009 nicht mehr.

Der Auslöser sind vordergründig schlechte Daten zur chinesischen Konjunktur. – Christoph Rottwilm, Ökonom

Auch die Börsen bekommen das vermehrt zu spüren, so auch die vergangenen Tage. Am 4. Januar 2016 sanken die Kurse innerhalb kurzer Zeit. Dies verhalf einem neuen Schutzmechanismus zu seiner Premiere. Fallen die Kurse unter fünf Prozent, wird der Handel für fünfzehn Minuten ausgesetzt. Erreichen die Verluste dann die Sieben-Prozent-Marke, folgt ein Handelsstop für den restlichen Tag. Allerdings steht diese Regelung kurz nach ihrer Einführung schon wieder auf der Kippe, China zweifelt selbst an der Wirksamkeit und so soll sie diesen Freitag bereits wieder ausgesetzt werden.

Neuer Schutzmechanismus ohne Wirkung

Neben diesem Schutzmechanismus sah sich auch die chinesische Zentralbank dazu genötigt rund 18 Milliarden Euro in die Märkte zu pumpen. Zusätzlich kaufen staatliche Stellen massiv Aktien auf. Wir erleben also einen Konflikt zwischen Finazkapitalismus und staatlicher Kontrolle. Bisher setzt sich hauptsächlich der Abwärtstrend durch, das staatliche Eingreifen bleibt ohne Erfolg.

Der Aktienmarkt funktioniert nur, wenn man den Kräften von Angebot und Nachfrage freien Lauf lässt. – Christoph Rottwilm, Ökonom

Längst handelt es sich nicht mehr um ein rein chinesisches Problem, die globalen Märkte reagieren ebenfalls. Andere asiatische Märkte wie der japanische brachen ebenfalls ein. Auch der DAX ist im Zuge dieser Krise unter die 10.000-Punkte-Marke gerutscht. Besonders die deutschen Autobauer mussten Federn lassen, stellt China doch einen bedeutenden Absatzmarkt dar.

Droht eine neue Finanzkrise?

Noch ist unklar wie weitreichend die Folgen der Kursabstürze sein werden, doch einige Experten warnen bereits. Handelt es sich dabei um Panikmache oder berechtige Befürchtungen? detektor.fm-Moderator Alexander Hertel hat sich eine Expertenmeinung vom Diplom-Ökonom Christoph Rottwilm eingeholt. Er ist als Wirtschaftsjournalist tätig und schreibt u.a. für das Manager Magazin.

Christoph RottwilmEs hat sich eine Spekulationsblase gebildet und diese platzt jetzt.Christoph Rottwilmist Diplom-Ökonom und schreibt u.a. für das Manager Magazin über Finanzen und Immobilien 

Redaktion: Markus Vorreyer