Sabine Werth ist Mitgründerin der Berliner Tafel
Die moderne deutsche Gesellschaft kennt einige Widersprüche. Ein Beispiel dafür ist materieller Wohlstand und eine so gute Versorgungslage, dass sowohl Privathaushalte als auch Handel und Produzenten verzehrbare Lebensmittel in großen Mengen entsorgen. Auf der anderen Seite steht eine immer größere Nachfrage nach den Angeboten der Tafel. 2025 haben 1,5 Millionen Menschen in Deutschland diese genutzt. Aktuell gibt es über 970 Einrichtungen mit dem Namen „Tafel“, in denen es sämtlich darum geht, Lebensmittel vor der Entsorgung zu retten und sie den Menschen zur Verfügung zu stellen, die bedürftig sind. Dabei ist die Geschichte der Tafeln noch gar nicht so alt. 1993 wurde die erste Tafel in Berlin gegründet. Sabine Werth ist eine der Mitgründerinnen der Berliner Tafel und heute ihre Vorsitzende. Die Arbeitsweise der Tafel beschreibt sie so:
Tafelarbeit ist unheimlich leicht nachzuvollziehen. Wir nehmen es da, wo es zu viel ist, und geben es dahin, wo es gebraucht wird. Das ist das alte Robin-Hood-Prinzip. Wir sind auf der legalen Seite und damit ist es richtig schön und alle können mitmachen.
Sabine Werth, Mitgründerin und Vorsitzende der Berliner Tafel
Foto: Berliner Tafel, Dietmar GustZwischen Politik, Ernährungsbildung und Seelsorge
Angesichts der schnellen Verbreitung dieses Prinzips könnte man von einem Erfolgsmodell sprechen — wenn es dabei nicht um die Erfüllung von Aufgaben ginge, die eigentlich der Politik zukommen. Dementsprechend wichtig ist es für Sabine Werth, sich als Tafel nicht vereinnahmen oder gar einplanen zu lassen. Das betrifft sowohl die Arbeitsagentur als auch Parteien.
Als wichtiges Thema beschreibt Werth außerdem die Ernährungsbildung, die vor allem jungen Menschen einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln ermöglichen soll. Folgerichtig ist die Berliner Tafel auch in diesem Feld aktiv.
Wir stellen immer wieder fest, dass es effektiv ist, bei den Kindern anzufangen und es gar nicht bei den Erwachsenen zu versuchen. Da ist der Zug meistens schon abgefahren.
Sabine Werth
Über die Geschichte der Berliner Tafel, das Verhältnis zur Politik sowie Ernährungsbildung und Seelsorge spricht Sabine Werth in dieser neuen Folge des „brand eins Podcasts“ mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert.