Brexit und die wirtschaftlichen Folgen

Weniger Geld, mehr Kontrolle

24.11.2016

Der Haushalt schrumpft, die Schulden wachsen, die Gesellschaft spaltet sich immer weiter. So kann man die Situation im Vereinigten Königreich skizzieren. Wie geht es den Briten fünf Monate nach der Brexit-Ankündigung?

Am 13. Juli 2016 ist Theresa May in die Downing Street 10 eingezogen. Kurz darauf hat die konservative Primierministerin angekündigt, die „brennende Ungerechtigkeit“ in Großbritannien zu bekämpfen und das Königreich wieder zu einen.

Wie steht es aktuell um dieses Vorhaben? Das Votum über den Austritt aus der Europäischen Union hat einen tiefen Graben in der britischen Gesellschaft hinterlassen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Brexit womöglich doch schmerzhafter werden wird, als erwartet.

Das Wirtschaftswachstum stockt, die Inflation steigt, die Staatseinnahmen sinken. Zugleich haben die anderen EU-Staaten kein großes Interesse daran, den Briten Zugeständnisse beim Brexit zu machen. Diese Umstände führen zu neuen Spannungen zwischen Brexit-Befürwortern und Gegnern.

Büßen jetzt die Brexiteers?

Es sind insbesondere Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen gewesen, die am 23. Juni für einen EU-Austritt gestimmt haben. Und genau die sind es auch, die nun unter den Konsequenzen des Votums leiden. Wie wirkt sich das auf ihre Haltung zum Brexit aus?

Wir denken, dass die Menschen nur über die Ökonomie entscheiden. […] Das ist falsch. Es war klar für die meisten Briten, dass es hart werden würde. – Jürgen Krönig, ehemaliger ZEIT-Korrespondent in London

Die britische Regierung will nun die unteren Einkommensklassen entlasten. Aus diesem Grund hat der britische Finanzminister Philip Hammond nun konkrete Ideen vorgestellt. Darin sind ein höherer Mindestlohn, Steuererleichterungen für Geringverdiener und ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm vorgesehen. Der Schatzkanzler löst sich damit von der strengen Haushaltsdisziplin, die noch sein Vorgänger George Osborne verordnet hatte.

Was will die Regierung?

Kann das Investitionsprogramm die Konjunktur im Vereinigten Königreich wieder stärken? Spielen möglicherweise auch wahltaktische Überlegungen der konservativen Regierung eine Rolle bei der Entscheidung für die beschlossenen Punkte?

Wie blicken die „Brexitisten“ in die Zukunft? Wie ihre Gegner? Darüber hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Jürgen Krönig gesprochen. Er arbeitet als freier Journalist in London. Unter anderem hat er für ARD, ZEIT und BBC gearbeitet.

ist Journalist und England-Korrespondent, u.a. für »DIE ZEIT«.Den Briten war die Kontrolle über ihre Grenzen und die Einwanderung wichtiger als das Pfund oder der Euro in der Tasche.Jürgen Krönigwarnt davor, beim Brexit nur die ökonomische Komponente zu betrachten. Foto: privat 

Redaktion: Luis Hautzinger