BRICS-Staaten in der Krise

Vom Zugpferd zum Sorgenkind

17.08.2015

Die "BRICS"-Staaten, Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, haben über ein Jahrzehnt lang mit einem enormen Aufschwung die Weltwirtschaft unterstützt. Doch nun droht der Traum des langanhaltenden Wachstums in den Schwellenländern zu platzen. Wie schlimm ist die wirtschaftliche Krise in den BRICS-Staaten?

BRICS-Staaten im Abwärtstrend

Nach der Jahrtausendwende hat der rasante Aufschwung der Schwellenländer begonnen. Sie galten jahrelang als die Zugpferde für die Weltwirtschaft. Die Schwellenländer erbrachten mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung. Doch jetzt scheint es so, als ob ihnen die Luft ausgeht. Die Krise hat aus Sicht von Wirtschaftswissenschaftlern verschiedene Gründe: konjunkturelle, strukturelle Schwächen und verschleppte Reformen.

Brasilien steckt in der Rezession, weil der Rohstoffexport immer weniger einbringt. Russland hat durch den Ukraine-Konflikt, und die damit einhergehende politische Isolation, zu kämpfen. Auch in Südafrika wird das Wachstum ebenfalls schwach ausfallen. Hinzu kommt, dass sich nicht nur Brasilien, sondern auch Russland zu sehr auf den Verkauf von Rohstoffen verlassen, ohne sich darum zu kümmern, eigene Industriezweige zu entwickeln.

China-Boom droht ebenfalls einzubrechen

Auch das Wirtschaftswachstum Chinas wird voraussichtlich dieses Jahr deutlich unter sieben Prozent liegen. Die Gründe dafür sind zunehmend strukturelle Schwächen: Steigende Löhne, sinkende Produktivität von Investoren und schwächelnde Exporte. Hinzu kommt, dass Chinas Alterentwicklung dem Land zu schaffen macht. Denn Chinas Bevölkerung wird immer älter und der Nachwuchs lässt auf sich warten. Die einstige Lokomotive der Weltwirtschaft schaltet ein paar Gänge runter. Das könnte besonders auch Deutschland als Exportnation zu schaffen machen. Denn deutsche Autos, Maschinen und Chemie sind in China Exportschlager.

Noch kein Grund zur Panik

Dass die Wachstumsraten abflachen, war abzusehen. Die Frage ist nur, wie stark der Rückgang tatsächlich sein wird. Bisher sehen Beobachter noch keinen Grund zur Panik. Denn die meisten Schwellenländer haben Devisenreserven aufgebaut, auf die sie in Krisenzeiten zurückgreifen können.

Die besten Rahmenbedingungen hat sicherlich China. Weil es in China für die Finanzierung des wirtschaftlichen Wachstums keines ausländischen Kapitals bedarf. China hat riesige Währungsreserven und kann deshalb auch eine schwache Phase leichter überbrücken. – Klaus Jürgen Gern, Experte am Prognosezentrum des Kieler Institut für Weltwirschaft.

Warum nach dem großen Boom nun die BRICS-Staaten in die Krise geraten und welche Folgen das insbesondere für Deutschland haben könnte, darüber hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller mit Klaus Jürgen Gern gesprochen. Er ist Wissenschaftler am Prognosezentrum des Kieler Institut für Weltwirtschaft.

Klaus Jürgen Gern - Kieler Institut für WeltwirtschaftWir sehen die Weltwirtschaft weiter in einem moderaten Tempo wachsen. Allerdings weniger in den Schwellenländern als zuvor, sondern mehr in den Industrieländern.Klaus Jürgen Gernist Experte vom Prognosezentrum am Kieler Institut für Weltwirtschaft. 

Redaktion: Nasti Neher