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Bild: Patrick Rüther | Foto: Henning Heide

brand eins-Podcast | Patrick Rüther

„Ein Restaurant schaltet man nicht aus wie einen Fernseher“

Die Gastronomie treffen die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie hart. Und das dicke Ende wird noch kommen, befürchtet der Hamburger Gastronom Patrick Rüther. Hoffnung ist trotzdem noch da. Denn die Branche besteht aus vielen Kämpfern und kreativen Menschen, sagt er.

Hoffnung ist noch da

Kaum eine Branche treffen die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie so hart wie die Gastronomie. Restaurants, Cafés und Bars haben seit November erneut geschlossen. Viele Betriebe
fürchten um ihre Existenz, einige halten sich mit einem Abhol- oder Lieferservice über Wasser. Andere trotzen der Krise mit neuen Konzepten. Da wird der Fisch per Post verschickt, beim Geschäft mit der Tiefkühlpizza mitgemischt oder Online-Tastings angeboten, wie bei der Craft-Beer-Brauerei „Überquell“, die der Hamburger Gastronom Patrick Rüther zusammen mit einem Partner gegründet hat.
Patrick Rüther hat unter anderem vor rund 12 Jahren mit dem Fernsehkoch Tim Mälzer das Restaurant die „Bullerei“ eröffnet, mittlerweile betreibt er diverse Restaurants, berät andere Gastronomen und ist in der Branche gut vernetzt.

Die Gastronomie ist eine Branche mit vielen Kämpfern und kreativen Menschen. Insofern ist noch Hoffnung da, dass mit dem Sommer und den Impfungen so was wie Normalität möglich ist.

Patrick Rüther in seiner Brauerei „Überquell“

Patrick Rüther in seiner Brauerei "Überquell"

Die Hoffnung ist aber auch an die versprochenen Hilfen vom Staat geknüpft. Und die seien bisher alles andere als schnell und unbürokratisch angekommen. Die umstrittene, umsatzbezogene Novemberhilfe ist auch bei Patrick Rüther verspätet in Abschlägen ausgezahlt worden, berichtet er. Ein geschlossenes Restaurant hat aber trotzdem Fixkosten. Unter anderem drei Monatsmieten, Versicherungs- und Personalkosten mussten vorgestreckt werden, sagt Rüther.

Es gibt auch immer Dinge zu tun in so einem Laden, ein Restaurant schaltet man ja nicht an und aus wie einen Fernseher.

Wie ernst ist die Lage für die Gastronomie? Rüther befürchtet, dass das „dicke Ende“ noch kommen wird mit Pleiten, wenn gestundete Mieten, Sozialversicherungsbeiträge und Kredite zur Rückzahlung fällig werden.

Sammelklage für Corona-Entschädigung

Zusammen mit anderen Hamburger Gastronomen hat sich Patrick Rüther in den vergangenen Monaten ganz besonders für den Erhalt der Gastronomie- und Hotelbranche eingesetzt und unter anderem mit einem offenen Brief an den Hamburger Senat und einer Petition an das Bundeswirtschaftsministerium auf Missstände aufmerksam gemacht. Zudem geht er mit Kollegen den rechtlichen Weg. Mit einer Verbraucherschutzkanzlei haben sie eine Sammelklage gestartet, sie fordern von den Bundesländern Schadenersatz für den ersten Lockdown im Frühjahr 2020.

detektor.fm-Moderator Christian Bollert spricht mit Patrick Rüther über diese Klage, darüber, wie ernst die Lage für die Gastronomie ist, über den Zusammenhalt der Branche in der Krise und warum Wirte eher Hasardeure als Buchhalter sind.