Das Rätsel des Bankgeheimnisses – Einladung zur Steuerhinterziehung?

10.04.2013

Seitdem ein Netz von internationalen Steuerhinterziehern aufgedeckt worden ist, fordert die Europäische Kommission nun die Abschaffung des Bankgeheimnisses. Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann bringt Licht ins Dunkel der Geheimnisse.

Die Europäische Kommission fordert: das Bankgeheimnis soll gelockert, wenn nicht sogar aufgehoben werden. Foto: © Ronny Hartmann/dapd

Es gibt das Postgeheimnis und das Privatgeheimnis, das Arzt- und Beichtgeheimnis. Und im Finanzsektor gibt es das Bankgeheimnis. Seit den Offshore-Leaks ist das Bankgeheimnis in aller Munde.

Die Europäische Kommission fordert nun Luxemburg und Österreich auf, das Bankgeheimnis abzuschaffen.

Wieso muss das Bankgeheimnis eigentlich gelüftet werden?

In allererster Linie schützt das Bankgeheimnis jeden Kunden einer Bank. Möchte doch kaum jemand seinen Kontostand am nächsten Tag in der Zeitung lesen.

Der negative Aspekt am Bankgeheimnis ist, dass es Steuerhinterziehung erleichtert. Denn steuerpflichtige Vermögen werden ebenso geschützt.

Foto: Jens-Ulrich Koch/ddpUlrich Thielemannkennt sich als Wirtschaftsethiker im Finanzsystem gut aus. 

Steuerhinterziehung im Ausland

Wird Vermögen im Ausland angelegt, müssen Steuern auf diese Summen gezahlt werden. Und zwar an das Land, wo man seinen Wohnsitz hat. Banken, wie etwa die in Luxemburg oder der Schweiz, müssten eigentlich die zuständigen Behörden über diese Anlagen informieren. Das tun sie aber häufig nicht. Und damit erleichtern sie es nach Ansicht von Beobachtern ihren Kunden, Steuern zu hinterziehen.

Was es mit dem Bankgeheimnis auf sich hat und ob es im internationalen Finanzsystem noch zeitgemäß ist, hat uns Ulrich Thielemann von der Denkfabrik für Wirtschaftsethik erklärt.

Diese Länder haben sich zur Geisel nehmen lassen von ihrer Bankindustrie. – Ulrich Thielemann