DAX-Talfahrt: Finanzwelt fürchtet neuen Börsencrash

Vertraute Schwarzmalereien?

10.02.2016

Die Finanzwelt beobachtet mit Sorge die aktuellen Entwicklungen an der Börse. Nachdem der DAX nach anderthalb Jahren zum ersten Mal wieder unter 9.000 Punkte gefallen ist, zittert die Börse aus Angst vor einer erneuten Wirtschaftskrise. Nun ist der DAX wieder leicht gestiegen, aber die Kritikerstimmen bleiben. Sind wir bereits auf der Talfahrt zum Börsencrash?

Erinnerungen an den Börsencrash 2008

Wie der Januar läuft, so läuft das ganze Jahr. So lautet zumindest eine altbekannte Börsenregel, bei der sich mit Sicherheit viele Börsenmakler gewünscht haben, dass sie auf 2016 nicht zutrifft. Denn der Start in das Börsenjahr 2016 ist einer der schwärzesten der Geschichte gewesen. Bereits im Crash-Jahr 2008 ist der schlechte Start ein böses Omen gewesen. Die Börsen reagieren panisch, einige Beobachter beschwichtigen. Die aktuelle Wirtschaftslage hat sich noch nicht von den Börsenturbulenzen beeinflussen lassen.

Als „Crash auf Raten“ wird das Börsenjahr 2016 bereits bezeichnet. Es sind das Misstrauen in die Niedrigzinspolitik, der China-Crash und der fallende Ölpreis auf der einen Seite und die gelockerte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der us-amerikanischen Notenbank auf der anderen, die die Krise am Aktienmarkt befeuern. Viele Anleger werden unsicher und setzen ihre Aktien auf die Verkaufsliste. Deshalb fallen die Werte. Seit Jahresbeginn sind global sieben Billionen Dollar an der Börse als Wert vernichtet worden.

Deutsche Bank in der Vertrauensfrage

Besonders Bankaktien machen große Verluste. Im Zentrum steht dabei die Deutsche Bank. Nach einer Pflichtmitteilung, in der Chef John Cryan garantiert hat, dass seine Deutsche Bank auch weiterhin kreditfähig sei und dem Gerücht, dass man Anleihen zurückkaufen will, stieg der Wert der Aktie am heutigen Aschermittwoch wieder an. Trotzdem ist das Vertrauen in die Banken stark erschüttert.

Mehr als 20 Prozent haben Bankaktien an Wert verloren, besonders italienische Banken sind vom Aktieneinbruch betroffen. UniCredit-Chef Ghizzoni fordert die EZB auf, die Geldpolitik stärker mit anderen Zentralbanken zu koordinieren. Die Banken geraten immer mehr unter Druck, eine ernsthafte Krise scheint in greifbare Nähe zu rücken.

Steuern wir wirklich auf einen erneuten Börsencrash zu? detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser hat mit Jens Boysen-Hogrefe vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel über die aktuellen Entwicklungen am Börsenmarkt gesprochen.

vom Institut für Weltwirtschaft.Ob die Lage wirklich so dramatisch ist und ob man sie wirklich mit 2008 vergleichen kann, halte ich für etwas übertrieben.Jens Boysen-HogrefeMakroökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft. 

Redaktion: Johanna Siegemund