Deutsche Bank in der Krise

Zu groß zum Sterben?

28.09.2016

Die Deutsche Bank ist im Finanzsektor Deutschlands ganzer Stolz. Besser gesagt: Sie war es einmal. Eine Strafzahlung in Milliardenhöhe könnte dem angeschlagenen Kreditinstitut nun sogar das Genick brechen.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die Deutsche Bank denken? Sehen Sie vor sich das glanzvolle Bild des größten deutschen Kreditinstituts, das Bild eines internationalen Big Players im Bankengeschäft?

Wahrscheinlich nicht. Denn diese Zeiten scheinen mittlerweile vorbei zu sein. Es vergeht seit 2008 kaum ein Jahr, in dem die Deutsche Bank nicht mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird.

Deutsche Bank in der Finanzkrise

2008 erreichte die Finanzkrise ihren Höhepunkt und läutete den Niedergang der Deutschen Bank ein. Kurz vorher hatte sie noch ihren Aufstieg unter die Top-Investmentbanken bejubelt, da ging es schon wieder steil bergab.

Mit dem Investmentbankinggeschäft 2008 brach schließlich auch eine der Haupteinahmequellen der Bank weg. Zudem mussten mehrere Milliarden Dollar Strafzahlungen an das US-amerikanische Justizministerium für Vergehen vor der Finanzkrise gezahlt werden.

Die Deutsche Bank sattelte um, kaufte die Postbank und wollte damit wieder groß ins Privatkundengeschäft einsteigen. Doch dieses konnte nicht einmal im Ansatz an die ehemaligen großen Gewinne aus dem Investmentgeschäft heranreichen. Jetzt soll die Postbank wieder verkauft werden.

Ein wankender, orientierungsloser Riese

Die Deutsche Bank ist nicht die einzige Bank auf der Welt mit Problemen, doch die Deutsche Bank ist für einige Beobachter die einzige, die angesichts dieser Probleme vollkommen orientierungslos wirkt.

Die ehemalige Konkurrenz konzentriert sich unterdessen wieder mehr auf ihre Kernkompetenzen: die Amerikaner agieren auf dem gewaltigen heimischen Kapitalmarkt, die britische Bank Barclays hat 16 Millionen Privatkunden in England und UBS oder Credit Suisse verwalten erfolgreich riesige Vermögen.

Bei der Deutschen Bank weiß man dagegen nicht genau, was man will und was man kann. Sie ist zu groß, um sich nur auf den Markt in Deutschland zu konzentrieren, aber mittlerweile finanziell zu angeschlagen, um sich international neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Die Deutsche Bank muss in Bezug auf ihre Strategie wesentlich berechenbarer und eindeutiger werden. – Reinhard Schmidt, Professor am House of Finance der Universität Frankfurt

Aktuell erwartet das angeschlagene Geldinstitut zudem noch eine Klage über umgerechnet zwölf Milliarden Euro in den USA. Kein Wunder also, dass die deutsche Regierung wohl schon an einem Notfallplan für die Deutsche Bank arbeitet.

Über die Situation der Deutschen Bank hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Reinhard Schmidt gesprochen. Er ist Professor am House of Finance der Universität Frankfurt.

Reinhard_SchmidtIch glaube, der Einfluss der Deutschen Bank ist inzwischen so weit gesunken, dass ihre Probleme keine neue Finanzkrise auslösen können.Reinhard Schmidtist Professor am House of Finance der Universität Frankfurt. 

Redaktion: Jonathan Gruber