Sterbende Branche: Deutschlands Sarg-Manufakturen vor dem Aus?

09.02.2013

Sargbauer haben es in Deutschland schwer, sich über Wasser zu halten. Denn die Konkurrenz aus Osteuropa ist groß. Deswegen greifen einige Unternehmen zu ungewöhnlichen Werbemaßnahmen.

Teures Handwerk: Die Särge deutscher Hersteller sind nicht mehr gefragt. Foto:© Daniel Peter/dapd

Viele Handwerksbetriebe in Deutschland hatten in den vergangenen Jahren Probleme, sich über Wasser zu halten. Auch das Handwerk des Sargbauers ist davon nicht verschont geblieben.

Ein Grund dafür ist der Trend zur Urnenbestattung. Doch auch bei Feuerbestattungen wird ein Sarg benötigt, erklärt Siegfried von Lauvenberg, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe (VDZB):


Nur noch 30 Prozent der Särge aus Deutschland

Geschäftsführerin Sargmanufaktur EckhardtIsabelle EckhardtGeschäftsführerin Sargmanufaktur Eckhardt 

Die Konkurrenz durch osteuropäische Sarghersteller ist groß. Denn durch die geringen Löhne ist die Produktion dort günstiger, obwohl es keine Unterschiede bei den Holzpreisen gibt. Laut VDZB  werden nur noch 30 Prozent der Särge in Deutschland gefertigt , die restlichen 70 Prozent werden importiert.

Die verschiedenen Sargmanufakturen in Deutschland versuchen sich durch individuelle Angebote voneinander zu unterscheiden. Sie werben zum Beispiel mit dem „Sarg des Monats“ an, andere betonen ihr traditionsreiches Familienunternehmen. Isabelle Eckhardt, Geschäftsführerin einer Sargmanufaktur im Ruhrgebiet, geht auf die speziellen Wünsche der Kunden ein:

Nur noch 30 Prozent der Särge aus Deutschland


Sarg-Werbung ist heikel

Geschäftsführer des VDZBSiegfried von LauvenbergGeschäftsführer des VDZB 

Allein mit Individualität kann man nicht punkten. Schließlich versucht jedes Unternehmen Kunden anzulocken, und zwar mit Werbung. Doch Sarg-Werbung ist eine heikle Sache. So hat ein polnischer Sarg-Hersteller mit einem Kalender geworben, auf dem sich Pin-Up-Girls auf Särgen räkelten. Siegfried von Lauvenberg ist strikt gegen Werbung in dieser Branche:

Da gibt es keine Werbemaßnahmen (…) Das funktioniert nicht. Das würde auch auf große Ablehnung stoßen. (Siegfried von Lauvenberg)

Denn Werbung in Verbindung mit dem Tod wirkt schnell makaber, sagt Isabelle Eckhardt. Trotzdem müssen Sarg-Unternehmen, wie andere auch, für sich werben.


Gütesiegel für Särge

Doch nicht nur das Aussehen ist entscheidend, sondern auch das Material eines Sarges. Dafür vergibt der VDZB sogar ein Gütesiegel. Das sei wichtig, da Särge auch ökologische Normen erfüllen müssen, so Isabelle Eckhardt.

Sinkende Zahl der Sargbauer

Nach Angaben des VDZB gibt es etwa noch 50 ausgebildete Sarghersteller in Deutschland. Die Zahl ist jedoch rückläufig. Dennoch: VDZB-Geschäftsführer Siegfried von Lauvenberg geht davon aus, dass die Zahl der Sargbauer zwar weiter sinkt, es den Beruf aber auch in Zukunft weiter geben wird.