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Der Hauptsitz der EZB in Frankfurt am Main. Von hier aus wird die Geldpolitik der Euro-Zone gelenkt. Foto: asvolas | shutterstock
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Die EZB senkt erneut den Leitzins

Zinsen? – „Vergessen Sie’s!“

Immer weiter hinab: der Leitzins der EZB wurde erneut gesenkt, mittlerweile drohen Banken Strafzinsen von 0,5 Prozent, wenn sie ihr Geld nicht investieren. Die Banken könnten die Negativzinsen nun an Sparer weitergeben. Was können die tun, um ihr Erspartes zu behalten?

Die Nachricht macht bereits vor der offiziellen Verkündung die Runde: die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins erneut gesenkt.

Negative Zinsen – und die Sparer leiden?

Die EZB ist die Notenbank der Euro-Zone. Das heißt: Wenn eine Bank Euros haben möchte, wendet sie sich an die EZB. Die gibt das Geld gegen eine Sicherheit – meistens Wertpapiere – heraus. Jetzt, wo der Leitzins erneut abgesenkt wurde, wird das aber teurer. Banken, die Geld jetzt nur zurücklegen, anstatt es auszugeben, werden durch negative Zinsen bestraft. Das bedeutet: Der Kontostand sinkt. Daher wird auch von einem Strafzins gesprochen.

Die Befürchtung ist nun, dass Banken diese Strafen an die Sparer weitergeben. Dann würde der Kontostand ihrer Kundinnen und Kunden indirekt unter den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank leiden.

Die niedrigen Zinsen, die Fast-Null-Zinsen, werden vorläufig bleiben. Also wer sich drauf versteift hat, demnächst mal wieder Zinsen aufs Sparkonto zu bekommen: Vergessen Sie’s! – Hermann-Josef Tenhagen, Wirtschaftsjournalist bei Finanztip

Die deutsche Wirtschaft profitiert

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sowohl Wirtschaft als auch Sparerinnen und Sparer in den letzten Jahren massiv von der Niedrigzinspolitik der EZB profitiert haben. Deutschland mit seiner exportorientierten Wirtschaft kam dabei besonders gut weg.

Durch den niedrigen Leitzins sinkt auch der Wert des Euros im Vergleich zu anderen Währungen. Jeder erlöste Euro bringt dem Exporteur dann einen höheren Euro-Betrag. Deutschland ist innerhalb der Euro-Zone mit großem Abstand das exportstärkste Land. Im Inland führt eine schwache eigene Währung dann zu steigendem Wohlstand und höheren Investitionen.

Es kann daher ein strategischer Zug sein, die eigene Währung auf einem niedrigen Wert zu halten. Das werfen zum Beispiel die USA China im aktuellen Währungsstreit vor.

Über den niedrigen Leitzins der EZB und die Folgen für Sparerinnen und Sparer hat detektor.fm-Moderatorin Amelie Berboth mit Hermann-Josef Tenhagen gesprochen. Er ist Chefredakteur beim Verbraucher-Magazin Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen - ist Chefredakteur beim Verbrauchermagazin Finanztip.

ist Chefredakteur beim Verbrauchermagazin Finanztip.
Wenn es ein bisschen Inflation gibt, ist es für mich interessant, jetzt Sachen zu kaufen. Wenn’s die nicht gibt, warte ich noch – denn vielleicht ist es im nächsten Jahr noch billiger. Die Leute kaufen nichts und das bringt die Wirtschaft erst recht zum Erlahmen.Hermann-Josef Tenhagen

Redaktion: Jonas Dietz