Die Zukunft der Zeitung – die Zeitung der Zukunft

16.03.2010

Die Zeitungslandschaft steckt in einer tiefgreifenden Krise - und muss sich wandeln. Leser und Werbebudgets wandern ins Netz. Rettung erhofft man sich von digitalen neuen Geräten. Was bringt die Zukunft also der Zeitung?

Das gewohnte Erscheinungsbild der Zeitung - in Papierform und (noch) gänzlich un-digital. / © Birgit H. (pixelio.de)

Die Zeitung haben wir lieb gewonnen. Egal ob im Kaffee, beim Frühstück oder in der Bahn. Doch ist es kein Geheimnis, dass die Zukunft für Zeitungen nicht rosig aussieht. Aktuelle Nachrichten bestätigen diesen Eindruck wieder: britische Zeitungen verlieren nämlich massiv an Auflage. Die Februarzahlen zeigen im Vergleich zum Vorjahr zweistellige Verlustraten bei „Times“, „Guardian“ und „Independent“.

Und so hat das Wort „Zeitungssterben“ mittlerweile auch einen eigenen Eintrag im Online-Lexikon wikipedia. Was steckt dahinter? Die Zeitungen und ihre Verlage sind in einer Krise. Ihr Geschäftsmodell hat Jahrzehnte funktioniert. Doch nun bricht der Werbemarkt immer mehr ein. Und auch die Leserzahlen entwickeln sich nicht blendend. Als Grund für beides wird oftmals das Internet genannt. Im Durchschnitt verbringen wir Deutschen eine halbe Stunde pro Tag vor der Tageszeitung – und eine dreiviertel Stunde im Netz. Sowohl die Werbebudgets als auch die Nutzer wandern ins Netz. Den Verlagen steht also das Wasser bis zum Hals. Es muss gespart werden: bei Löhnen und Arbeitsplätzen, beim Inhalt, indem Redaktionen zusammengelegt werden – oder Lokalblätter sogar ganz eingestellt. Als Heilsbringer gelten neue Geräte und Techniken: moderne Handys, mobile Computer, E-Books wie der kindle vom Amazon oder das iPad von Apple – von dem sich am ersten Tag angeblich über 100.000 Stück verkauft haben wollen.

Noch lebt die Zeitung von ihrem Glaubwürdigkeits-Vorsprung: was in der Zeitung steht, scheint vertrauenswürdig. Doch wie lange reicht das noch? Dem wollen wir nachgehen. Wir fragen nach der Zukunft der Zeitung – und zwar fragen wir das drei Experten, die es wissen müssen

  • einen Blogger, der die Lokalzeitung ins Netz verlagert hat
  • den Chef der Nachrichtenagentur ddp, der seit Jahrzehnten mit Zeitungsmachen sein Geld verdient
  • und einen Anbieter einer personalisierten und selbst zusammenstellbaren Tageszeitung

Hören Sie auf den folgenden Seiten die Interviews.

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Wir fragen nach der Zeitung der Zukunft, und der Zukunft der Zeitung. Und zwar bei drei Einrichtungen, die die Entwicklung des Zeitungsmarktes schon aus existentiellem Interesse aufmerksam beobachten – weil sie davon leben.

Der Blogger: „Blogs können durchaus eine Konkurrenz sein“

Hardy Prothmann 74736Hardy Prothmann 

„Hyperlokal“ ist ein schönes neues Trendwort im Internetjournalismus – und „hyperlokal“ beschreibt die Themenausrichtung des Heddesheimblogs. Betrieben und redaktionell betreut wird dieses lokale Blog von Hardy Prothmann. Er ist seit 20 Jahren freier Journalist und lebt selbst in Heddesheim. Die Gemeinde liegt an der Grenze zwischen Nordbaden und Hessen und hat etwa 11.500 Einwohnern – wie kommt man dazu, in und für Heddesheim ein Blog zu starten?

Der Chefredakteur: „Ich sehe kein Zeitungssterben, aber Zeitungen müssen sich wandeln“

Joachim Widmann 74738Joachim Widmann 

Für Journalisten und Zeitungsmacher sind sie unverzichtbar: Nachrichtenagenturen. Die Nachrichtenagentur ddp hat vor kurzem deutschen Dienst von der amerikanischen Agentur AP gekauft. Damit ist ddp nach der dpa zweitgrößter Anbieter von aktuellen Nachricheninhalten in Deutschland. Alltagsgeschäft von ddp ist, Medien mit aktuellen redaktionellen Inhalten zu beliefern: Nachrichten, Bilder, Hintergrundberichte, mittlerweile auch „Webcontent“, also für online aufbereitete Inhalte. Das ganze funktioniert auf  Abo-Basis – eine Lokalzeitung kann so aus bestimmten Paketen oder Modulen die Inhalte abonnieren, die für sie interessant sind. Wir sprachen mit dem Chefredakteur von ddp, Joachim Widmann, und haben ihn, angesichts des „Zeitungssterbens“ gefragt, ob er Angst hat, dass bald niemand mehr Nachrichtenagenturen braucht?

 

Der Unternehmer: „Wir wollen die Vielfalt aus dem Netz auf Papier bringen“

Wanja Oberhof 74737Wanja Oberhof 

Nicht mehr meine Tageszeitung sagt mir, was ich wichtig finden soll, sondern ich sage meiner Zeitung, was ich am nächsten Morgen lesen will. Weniger Auto, dafür mehr Politik. Und sonst bitte nur Artikel über meine Lieblingsband. Genau das ist das Geschäftsmodell von niuu – eine individualisierte Tageszeitung, die seit kurzem in Berlin zu haben ist. Wie funktionierts? Ich gebe bis 14 Uhr auf der Webseite von niiu ein, was ich am nächsten Morgen in meinem gedruckten Exemplar lesen will. Wenn ich einmal angemeldet bin, kann ich mir auch jeden Tag neu meine Lieblingsinhalte zusammenstellen. Über niiu haben wir gesprochen mit dem Geschäftsführer Wanja Oberhof und wollten eingangs wissen, wer diesen Service denn bisher so nutzt.