Diskussion um Fahrverbot für Diesel in München

Umwelt vs. Wirtschaft: Wer sitzt am Steuer?

16.06.2017

Nach Hamburg und Stuttgart will nun auch München Einschränkungen für Dieselfahrzeuge einführen. Stickoxide gefährden schließlich die Gesundheit der Stadtbewohner. Doch Stimmen aus der Münchener Wirtschaft warnen: dürften Diesel nicht in die Stadt fahren, wären Handel und Geschäfte kaum mehr zu beliefern. Was ist da los?

Nie wieder Diesel?

Dieselfahrzeuge stoßen zwar weniger klimaschädliche Gase aus, dafür aber umso mehr Stickoxide. Die sind so gefährlich, dass die EU mit der Abgasnorm Euro 6 strenge Grenzwerte festgelegt hat. Durch den VW-Skandal kam aber ans Licht, dass die Modelle diese Werte nur unter ziemlich unrealistischen Bedingungen einhalten. Und das betrifft nicht nur VW.

Auch Ford, Mercedes und andere Hersteller müssen sich rechtfertigen, weil Fahrzeuge die Grenzwerte für Stickoxide mitunter sogar um das 9-fache übersteigen. So kommt es auch, dass die Stadt München die EU-Bestimmung nicht einhalten kann, nach der nur 40 Gramm Stickoxid pro Kubikmeter erlaubt wären. München übersteigt sogar teilweise die 60 Gramm.

Ein Fahrverbot für München soll also jene Fahrzeuge aus der Stadt verbannen, die die Grenzwerte nicht einhalten und damit den Gesamtzustand verschlimmern.

Ohne geht nicht

Von dem Verbot wären in München aber immerhin 133.000 bis 170.000 Fahrzeuge betroffen – ein hoher Anteil der insgesamt 295.000 Dieselfahrzeuge in München. Auch deswegen befürchten Handwerkskammer und Handelsverband, dass die Regelung Münchens Wirtschaft einschränken könnte. Solche Bestimmungen würden den innerstädtischen Handel schwächen und handwerkliche Dienstleistungen verhindern.

BMW möchte stattdessen lieber über die Weiterentwicklung von Elektro-Autos die Umwelt schützen. Um das zu finanzieren, braucht das Unternehmen aber den Erlös aus dem Verkauf von Dieselfahrzeugen. Aber auch Elektro-Autos stehen wegen der umweltbelastenden Batterieherstellung zunehmend in der Kritik.

Das Problem

Laut der Organisation Environmental Health Analytics (LLC) in Washington sind 2015 allein in der EU 11.400 Menschen an den Folgen nicht eingehaltener Abgaswerte gestorben. Insgesamt kommt es laut EU-Kommission jährlich zu 400.000 vorzeitigen Todesfällen wegen Luftverschmutzung. Dieselautos stehen besonders in der Kritik, weil sie 67 Prozent der Stickoxide in der Luft über deutschen Straßen verursachen.

Ob man dieses Problem mit einem Fahrverbot für Diesel lösen kann, ist jedoch umstritten. Und noch ist unklar, ob die Stadt München die Regelung überhaupt selbstständig beschließen darf.

Was ein Dieselverbot für München bringen würde, hat Martin Schmied vom Umweltbundesamt detektor.fm-Moderator Lucas Kreling besprochen.

Redaktion: Dorothea Günther