Digitales Bezahlen | The Coinspondent über Kunst mit digitalem Geld

Zwischen Open Data und Illegalität

03.02.2015

Geld war schon immer ein inspirierendes Thema für Künstler. Auch bei digitalem Geld ist das nicht anders. Die offenen Finanz- und Transaktionsdaten von Bitcoin laden manche geradezu zur künstlerischen Auseinandersetzung ein. Andere nutzen wiederum das digitale Geld, um tief in die Grauzone künstlerischer Legalität einzutauchen.

Bis zu 100.000 Transaktionen und mehr wickelt das Bitcoin-Netzwerk jeden Tag ab. Zum einen verschlüsselt, um die Sicherheit des digitalen Geldes gewährleisten zu können, zum anderen öffentlich. Denn auf die Blockchain, das digitale Kassenbuch von Bitcoin, kann jeder jederzeit zugreifen. Zum ersten Mal überhaupt sind damit aktuelle Finanzdaten als Open-Data im Netz verfügbar – und laden geradezu dazu ein, sich nicht nur ökonomisch, sondern auch künstlerisch mit digitalem Geld auseinanderzusetzen.

Das Projekt Bitlisten beispielsweise vertont aktuelle Bitcoin-Transaktionen und macht auf diese Weise die abstrakten Algorithmen, die das Bitcoin-Protokoll zur Verwaltung des digitalen Geldes nutzt, wahrnehmbar. Je höher dabei der Ton, der abgespielt wird, desto kleiner die Transaktion, die zeitgleich irgendwo im Netz mit digitalem Geld getätigt wird. Große Summen klingen dagegen tiefer.

Der kanadische Datenküntsler Rob Myers wiederum nutzt die Zufallswerte, die die Verschlüsselung des Bitcoin-Protokolls erzeugt, um grafische Kunstwerke zu schaffen. In seinem Projekt „Blockchain Aesthetics“ erzeugt er, basierend auf der Verwaltung von digitalem Geld, zufällig wirkende Farbfelder, abstrakte Gedichte oder Strichzeichnungen.

Weniger ästhetisch, dafür umso gesellschaftskritischer setzen die Künstler der !Mediengruppe Bitnik Bitcoin ein. Sie haben ein Programm geschrieben, das mit einem wöchentlichen Bitcoin-Budget im Wert von 100 US-Dollar eigenständig im Internet einkaufen geht. Dabei besucht der „Random Darknet Shopper“ jedoch keine offiziellen Shopping-Portale, sondern kauft zufällig im Darknet ein. Drei Monate lang sind so regelmäßig Pakete aus der Grauzone der Legalität in der Kunsthalle St. Gallen angekommen, wo sie ausgestellt wurden. Neben gefälschten Kleidungsstücken aus Asien kamen so u.a. auch Ecstasy-Pillen in die Ausstellung.

Grund genug für die Polizei, die Ausstellung direkt nach deren Ende zu beschlagnahmen und zu versiegeln. So solle eine Gefährdung Dritter ausgeschlossen werden. Eine Frage, die die !Mediengruppe Bitnik aufgeworfen hat, bleibt dabei aber offen. Wer haftet dafür, wenn autonome Programme dank digitalem Geld nun auch noch geschäftsfähig werden?

Das mehr und mehr besprechen wir in dieser Woche: mit unserem Coinspondent Friedemann Brenneis.


Immer dienstags widmen wir uns dem digitalen Bezahlen und den Bitcoins. The Coinspondent Friedemann Brenneis, der den gleichnamigen Blog betreibt erklärt die Grundlagen: Was sind Bitcoins? Was kann man damit machen? Und werden sie wirklich die Welt verändern? Kritische, aktuelle und verständliche Informationen rund um digitale Währungen. Zu Hören jederzeit hier als Podcast und zum Lesen auf www.coinspondent.de.

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