Duale Ausbildung als Außenpolitik

Bildungsexportweltmeister Deutschland?

22.03.2017

Die Theorie im Unterricht und die Praxis im Betrieb. So läuft für viele junge Menschen die Ausbildung in Deutschland. Die Bundesregierung bewirbt das deutsche Konzept seit Jahren im Ausland. Offenbar mit Erfolg. Denn in vielen Ländern wird die duale Ausbildung nachgeahmt. Viele deutsche Unternehmen lernen im Ausland so Fachkräfte an. Warum macht das Deutschland?

Duale Ausbildung als Exportware

Der Essener Chemiekonzern Evonik bildet in Kasachstan Elektrotechniker aus, die Deutsche Welle Akademie bringt jungen Journalisten in Bolivien bei, wie unabhängiger Journalismus funktioniert, und Siemens will für den Bau einer Bahnstrecke zwischen Brasilien und Peru die nötigen Fachkräfte vor Ort nach deutschem Vorbild ausbilden. Das duale Ausbildungssystem Deutschlands hat weltweit einen guten Ruf und wird aktiv von der Bundesregierung beworben.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beispielsweise sieht im Ausbildungssystem einen Grund für die gute Ausbildungs- und Beschäftigungssituation junger Menschen in Deutschland.

Natürlich profitieren von einer guten Ausbildung auch deutsche Unternehmen:

Es gibt die Nachfrage von deutschen Unternehmen im Ausland, die qualifizierte Fachkräfte auf dem lokalen Markt nicht finden und entsprechend selbst ausbilden wollen. – Steffen Bayer, Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Was macht das System besonders?

Die Handwerksausbildung geht zurück auf das Handwerkerschutzgesetz von 1897. Damit hat man damals auf die Industrialisierung reagiert und Handwerker bei den Handelskammern ausgebildet. Zu der Zeit eine Besonderheit in Europa. Die Industrie zog später ebenfalls nach. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Staat mit konkreten Gesetzen in die duale Ausbildung eingebracht. Seitdem ist beispielsweise gesetzlich geregelt, dass es immer zwei Ausbildungsorte gibt: Die Berufsschule für die Theorie und der Betrieb für die Praxis.

Genau diese festgelegten Regeln machen die deutsche duale Ausbildung besonders und international begehrt. Damit steht beispielsweise fest, was ein Lehrling für einen bestimmten Beruf wissen und können muss. Unternehmen können sich deshalb auf bestimmte Fähigkeiten der Ausgebildeten verlassen. Anders sieht das beispielsweise in Großbritannien aus. Hier gibt es keine Vorgaben, was wann und wo für welchen Beruf gelernt werden muss.

Bildungsexport als Nachteil?

Die Bundesregierung bewirbt das duale Ausbildungssystem weltweit. Zuletzt beispielsweise bei der EU-Kommission oder bei Merkels Antrittsbesuch bei Trump. Warum macht das Deutschland? Kann das ein Nachteil für die deutsche Wirtschaft sein, wenn der Wettbewerbsvorteil duale Ausbildung weltweiter Standard wird? Oder ist das Gegenteil der Fall? Denn eine gute Wirtschaftslage in anderen Ländern beflügelt die deutsche Wirtschaft und damit die Beschäftigung hierzulande?

Über den Exportschlager duale Ausbildung und dessen Vorteile für Deutschland hat detektor.fm-Moderator Christian Eichler mit Steffen Bayer vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag gesprochen.

Steffen Bayer vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Foto: DIHK.Wir exportieren kein Bildungssystem, sondern sind bemüht, die Vorteile der dualen Ausbildung vor allem deutschen Unternehmen im Ausland zuteil werden zulassen.Steffen Bayervom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. 

Redaktion: Maren Schubart