Gewerkschaft für Gefangene

"Auch Inhaftierte haben Grundrechte"

29.05.2015

Schlechte Arbeitszeiten, niedrige Löhne und mangelnde Ansprüche auf Altersvorsorge: Gründe, um auf die Straße zu gehen. Doch im Gefängnis gehört das oft zum Alltag und kein Häftling streikt. Mit einem maximalen Stundenlohn von 1,87 Euro produzieren die Gefangenen täglich im achtstündigen Akkord Produkte für externe Unternehmen.

Arbeitspflicht im Gefängnis

In den deutschen Gefängnissen gelten keine Ansprüche auf Mindestlohn oder eine Rentenversicherungspflicht. Jedoch gilt eine Arbeitspflicht, sodass über die Hälfte der insgesamt 60.000 Inhaftierten im Gefängnis arbeitet. Während der achtstündigen Arbeitstage werden jedoch nicht nur Waren für staatliche Institutionen produziert. Besonders externe Unternehmen wie Mercedes-Benz und Siemens profitieren von der günstigen Beschäftigung der Insassen.

Eine Gewerkschaft für Gefangene

Am Rande der Gesellschaft kämpfen viele ehemals beschäftigte Inhaftierte nach ihrer Entlassung nicht nur mit der Resozialisierung. Denn während ihrer Zeit im Gefängnis zahlen sie trotz Beschäftigung weder in die Rentenversicherung ein, noch haben sie eine Möglichkeit, Geld zurückzulegen. Das führt nicht selten zu Altersarmut. Seit Mai 2014 setzt sich die Gefangenen-Gewerkschaft (GG/BO) für die Interessen und Rechte der Inhaftierten ein.

Auch Inhaftierte sind Träger von Grundrechten. –Oliver Rast, Sprecher der Gefangenen-Gewerkschaft

Die Gefangenen-Gewerkschaft

Hervorgegangen aus einem Handschlag zwischen den in der JVA Tegel ehemals Inhaftierten Oliver Rast und Mehmet-Sadik Aykol, kämpft die bundesweite Organisation „Gefangenen-Gewerkschaft“ seit einem Jahr für die Anerkennung der Grundrechte deutscher Häftlinge. Mit über 700 Migliedern in etwa 50 Haftanstalten in ganz Deutschland, gewinnt die Gewerkschaft täglich neue Mitglieder dazu. Ihr Anliegen spaltet die Politik und erstaunt die Gesellschaft. Denn mit der Arbeit der Gefangenen-Gewerkschaft ist ein Stück Leben aus dem Knast an die Öffentlichkeit gelangt.

Weshalb sollte die Arbeit hinter Gittern weniger wert sein als die in Freiheit? Das  fragt Moderator Alexander Hertel den Sprecher der Gefangenen-Gewerkschaft, Oliver Rast.

Presse-Foto O. RastFür uns ist nun erstmal zentral, unsere zwei Kernforderungen nach der Einbeziehung inhaftierter Beschäftigter in den allgemein gesetzlichen Mindestlohn und in die Sozialversicherungspflicht zu erstreiten.Oliver Rastist Sprecher der Gefangenen-Gewerkschaft. 

Redaktion: Hannah Ziegler