Enteignung als Strategie gegen steigende Mieten?

"Langfristig hilft nur neuer Wohnraum"

09.04.2019

Um das Thema Wohnraum ist eine Grundsatzdebatte ausgebrochen. In Berlin läuft jetzt sogar ein Volksbegehren. Das Ziel: die Enteignung großer Immobilienfirmen. Ist das eine ökonomisch sinnvolle Strategie?

Enteignung als sinnvolle Lösung?

Deutschland hat ein Problem mit Mietpreisen. Das zeigen nicht nur die wachsenden Preise selbst, sondern auch die Wut darüber, die sich mittlerweile entwickelt hat. Entladen hat sie sich am Wochenende, als in zahlreichen Städten demonstriert wurde. Wohnen sei zu teuer, lautet die Kritik. Die Demonstranten fordern deshalb etwas, was es in der Bundesrepublik noch nie gegeben hat. Nämlich die Enteignung der großen privaten Immobilienkonzerne. Ganz oben auf der Liste stehen Vonovia und die Deutsche Wohnen. In der Hauptstadt läuft inzwischen ein Volksbegehren zu diesem Zweck.

Enteignung heißt im Grunde, dass der Staat die Konzerne entschädigt, ihr Kapital nimmt und die Wohnungen an kommunale Wohnungsgesellschaften verteilt. Doch ist das überhaupt wirtschaftlich sinnvoll? In Berlin müsste die Verwaltung bis zu 36 Milliarden Euro für Enteignungen zahlen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt eine andere Lösung vor. Es müssen mehr Wohnungen her.

Es kann natürlich nicht sein, dass ‚Bauen, Bauen, Bauen‘ nur die Luxuswohnungen beinhaltet, sondern es muss auch bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. – Pekka Sagner, Ökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft

Zu wenige Wohnungen treiben den Preis hoch

Das hat nun eine Analyse des IW ergeben. Außerdem mahnt das Institut vor falschen Signalen, Investoren könnten durch solche Maßnahmen vergrault werden. Ob das stimmt – darüber wird gerade hitzig debattiert.

Über Maßnahmen, die aus Sicht der Wirtschaft sinnvoll sind, darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Eva Morlang mit Pekka Sagner vom arbeitgebernahem Institut der deutschen Wirtschaft.

Pekka Sagner ist Ökonom vom Institut der deutschen Wirtschaft.Eine Enteignung in dieser Form gab es bisher in Deutschland nicht.Pekka Sagnerist Ökonom beim Institut der deutschen Wirtschaft. 

Redaktion: Sebastian Blum