Europa rutscht erneut in die Deflation

Kein Grund zur Beunruhigung?

05.10.2015

Die Deflation ist das Schreckgespenst der Währungshüter in der Europäischen Zentralbank. Bereits zum fünften Mal in diesem Jahr ist dieser "worst case" nun eingetreten. Doch die große Panik bleibt aus. Wie kommt das?

Warum ist die Deflation so gefürchtet?

Vor der sogenannten Deflation fürchten sich Wirtschaftswissenschaftler auf der ganzen Welt. Dass der Fall der Deflation nicht eintrifft, wird als so wichtig für eine Währung erachtet, dass ganze Institutionen sich nur damit beschäftigen, sie zu verhindern.

In Europa ist es die Europäische Zentralbank, die eigens zu diesem Zweck existiert. Die Deflation ist deshalb so gefürchtet, weil sie für ein absinkendes Preisniveau steht – also genau das, worüber sich Konsumenten freuen. Das Brot, die Waschmaschine, das Benzin für´s Auto werden günstiger.

Wenn sich eine Deflation jedoch festigt, so zumindest die Theorie, stellen die Menschen ihren Konsum weitgehend ein: weil sie erwarten, dass die Preise noch weiter sinken. Dadurch könnte am Ende die Wirtschaft schlicht zusammenbrechen.

Bereits 5 Monate Deflation im Jahr 2015

Schon im Frühjahr herrschte in der Eurozone – und zwischendurch auch kurz in Deutschland – Deflation. Dennoch ist die Wirtschaft offensichtlich nicht zusammengebrochen.

Das hängt damit zusammen, dass das niedrige Preisniveau aus dem seit langen sehr niedrigen Ölpreis resultiert. Das Preisniveau errechnet sich aus einem virtuellen Einkaufskorb, in dem Benzin bzw. Diesel einen großen Stellenwert einnehmen. Auch wenn sonstige Preise also steigen oder stagnieren, kann ein sinkender Ölpreis ein Land oder einen Kontinent in eine Deflation befördern.

Diese Entwicklung ist dann sogar gut für die Wirtschaft und die Verbraucher, da die Menschen mehr Geld zur Verfügung haben und somit auch mehr kaufen. Die aktuelle Deflation bewirkt also das Gegenteil der Deflation aus dem Lehrbuch.

Über die Deflation in Europa und ihre Auswirkungen hat detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller mit Jens Boysen-Hogrefe vom Prognosezentrum des Instituts für Weltwirtschaft Kiel gesprochen.

sagt, dass man Zahlen zu Drogenhandel und Zigarettenschmuggel nur schwer erheben kann.Die Energiepreise sind deutlich niedriger als im Vorjahr. Die anderen Preise allerdings, die nehmen immer noch mit einem leichten Trend zu. Deshalb sind Sorgen, dass wir in eine Deflationsspirale kommen würden, unbegründet.Jens Boysen-Hogrefevom Prognosenzentrum am Kieler Institut für Weltwirtschaft. 

Redaktion: Javan Wenz