Exporte | Deutschland erneut vorne – mit neuem Rekord

Das Problem mit dem Überschuss

10.02.2015

Exportland BRD: Deutschland verkauft mehr Waren, als es einkauft. Aktuell ist der Überschuss beim Export sogar auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Die deutsche Wirtschaft frohlockt, doch Kritiker mahnen: das könne auch nach hinten losgehen. Wo liegt das Problem? Wir fragen die OECD.

Deutschland erzielt erneut den weltgrößten Exportüberschuss. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts weist die Bilanz für 2014 ein Plus von 285 Milliarden Dollar auf (etwa 252 Milliarden Euro). Platz zwei belegt die weltgrößte Handelsnation China (150 Milliarden Dollar), gefolgt vom Ölexporteur Saudi-Arabien (100 Milliarden) auf Platz drei. In die Statistik fließen auch andere Transfers mit dem Ausland ein, etwa in Bezug auf Dienstleistungen oder Entwicklungshilfe.

Grund für den Erfolg deutscher Produkte im Ausland ist laut ifo-Institut die starke Nachfrage nach Waren ‚Made in Germany‘, besonders in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und Großbritannien. Auch niedrige Importkosten wie etwa für Öl sorgen für die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren. Der Überschuss entspricht 7,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Das Ifo-Institut prophezeit für 2015 sogar noch einen weiteren Anstieg.

Problem Made in Germany

Die EU-Kommission sieht darin ein Problem: Sie bewertet Überschüsse von dauerhaft mehr als 6 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt als stabilitätsgefährdend. Schließlich hat die starke Nachfrage nach deutschen Produkten auch Effekte auf die EU und die Euro-Zone: das Geld, das die anderen Länder bei uns ausgeben, können sie nicht in die eigene Wirtschaft stecken – ein Effekt, der über kurz oder lang die Eurozone gefährden könnte.

Deutschland überschreitet diesen Grenzwert bereits seit Jahren, dafür gab es im März 2014 bereits eine Rüge aus Brüssel. Mit Blick auf die neuen Zahlen will die EU-Kommission nun bis Anfang März über die anhaltende Exportstärke Deutschlands urteilen. Auch das US-Finanzministerium prangerte die Überschüsse wiederholt als Risiko für die weltweite Finanzstabilität an, da Länder mit hohen Überschüssen solchen gegenüber stehen, die ihre Importe über Kredite finanzieren müssen.

Doch die Ungleichheit zwischen Deutschlands Ein- und Ausfuhren hat auch negative Auswirkungen auf die Bundesrepublik. Über die Folgen des deutschen Exportüberschusses hat Moderator Alexander Hertel mit Andreas Wörgötter gesprochen. Er ist bei der der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Wirtschaftsberichte, u.a. auch den über Deutschland, zuständig.

Andreas Wörgötter"Man häuft Überschüsse und Forderungen gegenüber dem Ausland an, die zum Teil keinen wirklichen Ertrag abwerfen und zum Teil wieder abgeworfen werden müssen, wie das in der letzten Finanzkrise der Fall war."Andreas Wörgötterist bei der OECD für den Wirtschaftsbereich Deutschland zuständig.