EZB senkt Leitzins auf null Prozent. Was sind die Folgen?

Auf dem Weg zum nächsten Crash?

17.03.2016

Die derzeitige Finanzpolitik der EZB könne Verbraucher und Unternehmen langfristig schaden, so Malte Fischer, Chefvolkswirt der WirtschaftsWoche. Sie könne zu Überschuldung und damit letztlich zu einem Crash führen.

Niedriger Leitzins = Billige Kredite

Der Leitzins bestimmt vor allem, wie viele Zinsen Banken für ausgegebene Kredite nehmen. Die Senkung auf null Prozent führt also dazu, dass Kredite für Verbraucher und Unternehmen sehr günstig werden. Das wiederum führt zu Immobilienkäufen und Investitionen, kurbelt also auf den ersten Blick die Wirtschaft an.

Leichtsinnige Investitionen

Langfristig kann das aber gefährliche Folgen haben. Steigt der Leitzins wieder an, kann die Umschuldung von ablaufenden Krediten so teuer werden, dass die Finanzierung fehlschlägt. Davon betroffen sind zum Beispiel Verbraucher, denn die meisten Immobilienkredite werden nach 10 bis 15 Jahren refinanziert. Aber auch Unternehmen sind vor diesem Effekt nicht gefeit, da bei günstigen Krediten oft Investitionen finanziert werden, die unter normalen Umständen gar nicht rentabel wären.

Warum das zu sogenannten Boom-Bust-Zyklen führen würde und welche Finanzpolitik er für sinnvoll hält, erklärt Malte Fischer, Chefvolkswirt bei der WirtschaftsWoche, im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marcus Richter.

Malte Fischer, Chefvolkswirt der WirtschaftswocheWenn die Situation einmal kippt, weil die Zinsen doch einmal wieder steigen und diese Kredite nicht mehr bedient werden können, droht eine wirklich große Krise wie in Spanien, Irland und den USA.Malte Fischerder Chefvolkswirt der WirtschaftsWoche zu einer drohenden Immobilienkrise.