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Bild: Sabine Kroh. Foto: Fräulein Fotograf Berlin
Bild: Sabine Kroh. | Fräulein Fotograf Berlin

Flopcast | Sabine Kroh

Richtige Idee zur falschen Zeit

Sabine Kroh hat über ihre Plattform „Call a Midwife“ Online-Geburtsberatung auf verschiedenen Sprachen angeboten und ist damit gescheitert. Warum? Und was hat sie daraus gelernt?

Sabine Kroh ist seit 30 Jahren Hebamme aus Leidenschaft. Auf die Idee, ihre Dienste auch online anzubieten, ist sie durch eine Frau gekommen, die sie betreut hat. Ihre Schwester in Pakistan brauchte Hilfe beim Stillen und Kroh hat sie dann über das Telefon beraten.

Hebammenberatung per Skype

2016 hat Kroh dann das Unternehmen „Call a Midwife“ gegründet. Die Idee dahinter: eine Hebammenberatung per Videochat, am Telefon, via SMS oder E-Mail in elf Sprachen. Zu jeder Zeit und an jedem Ort. Das Geschäftsmodell kam gut an und innerhalb des ersten Jahres hat sie einen Investor gefunden. Doch so gut sie sich mit Geburten auskennt, so fremd war ihr die Berliner Start-up-Szene.

Ich hatte keinen blassen Schimmer. Ich wusste nicht mal, was ein Pitch ist. Es war für mich teilweise absurd bei Start-up-Veranstaltungen die Ideen der anderen zu sehen. Ich dachte häufig: Das braucht doch kein Menschen!

Sabine Kroh

Kroh hat sich reingehängt und zu Hochzeiten sechs Angestellte und 24 freiberufliche Hebammen im Team. Gleichzeitig hat sie allerdings auch reichlich Kritik aus den eigenen Reihen bekommen.

Deutschland und E-Health, das passt einfach nicht zusammen.

Sabine Kroh

Als sie außerdem merkt, dass sie und der Investor in verschiedene Richtungen wollen, steigt sie lieber aus und meldet 2019 Insolvenz an. Heute ist Sabine Kroh bei „Ärzte ohne Grenzen“ angestellt und freut sich, dass sich auf dem E-Health-Markt endlich was bewegt. Vielleicht war sie ihrer Zeit auch einfach voraus.

Warum das Scheitern für sie eine unheimlich wichtige Erfahrung war und was sie heute anders machen würde, das hat Sabine Kroh detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler erzählt.