Ölpreis sinkt und sinkt

Staatskrisen dank Preisdumping

03.03.2016

Der Ölpreis ist in den letzten Monaten kontinuierlich gesunken. Auch wenn er momentan stabil bleibt, so sind die Auswirkungen auf einige Länder und Industrien dennoch gravierend. Die große Abhängigkeit vom Öl rächt sich jetzt und stürzt einige Staaten in existenzielle Krisen.

Um 70 Prozent ist der Ölpreis in den letzten Monaten gesunken. Aktuell ist ein Barrel der Nordseesorte Brent für 37,04 US-Dollar zu haben. Längst wird das Öl in einigen Gebieten zu Preisen gefördert, bei denen die Kosten die Einnahmen deutlich übersteigen, so zum Beispiel beim teureren Fracking in den USA.

Die Fracking-Unternehmen brauchen Cash und um dieses Cash zu generieren produzieren sie immer weiter. – Claus Hecking, Wirtschaftsexperte bei „Die Zeit“

Öl-Abhängigkeit führt zu Wirtschaftskrisen

Es ist zu einem internationalen Preiskampf gekommen, an dessen Ende vor allem jede Menge Verlierer stehen. Brasilien befindet sich in einer Wirtschaftskrise aufgrund gigantischer Investitionen in das staatliche Mineralölunternehmen Petrobras. Nun, da sich das Öl kaum noch gewinnbringend verkaufen lässt, hinterlassen diese Ausgaben ein kräftiges Minus in der Staatskasse.

Auch Venezuela leidet unter seiner Ölabhängigkeit und der weltweit höchsten Inflationsrate. Der Preisverfall hat schon die politischen Verhältnisse umgewälzt. Die Opposition konnte einen deutlichen Sieg gegenüber den regierenden Sozialisten einfahren.

Es fehlen den Produzentenstaaten mehr als 2.000 Milliarden Dollar. Das hat sehr große Auswirkungen auf alle. – Claus Hecking, Wirtschaftsexperte bei „Die Zeit“

Arbeitslos dank niedrigem Ölpreis

Selbst in Europa bleibt die Entwicklung nicht ohne Folgen. In Norwegen entlassen die an die Ölindustrie gekoppelten Unternehmen zunehmend Mitarbeiter – zu Weihnachten hat der staatliche Ölkonzern Statoil seine Angestellten sogar aufgefordert, ihren Job zu kündigen, ansonsten müsse man unzählige Menschen auf die Straße setzen.

Spätestens hier wird klar, wie sehr der Ölpreis bereits auf die Realwirtschaft und auch den Alltag des einzelnen Bürgers ausstrahlt. Während sich deutsche Autofahrer über den günstigen Sprit freuen, sehen sich andernorts ganze Staaten und ihre Bewohner in ihrer Existenz bedroht.

detektor.fm-Moderator Alexander Hertel hat über die Folgen des Niedrigpreises mit Claus Hecking gesprochen. Er ist Wirtschaftsexperte bei der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Hecking_Claus_FotoDieser extrem gesunkene Ölpreis ist vielleicht für den deutschen Autofahrer schön, aber weltweit ist er eine Quelle der Instabilität.Claus HeckingWirtschaftsexperte bei der Wochenzeitung "Die Zeit". Er sieht im niedrigen Ölpreis große Gefahren. 

Redaktion: Markus Vorreyer