Wie steht’s um die Frauenquote im Mittelstand?

Arbeitsrealität ändern, statt Statistik betreiben

09.05.2016

Die gesetzliche Frauenquote gilt seit Jahresbeginn für Aufsichtsräte von 100 Großunternehmen in Deutschland, nicht aber für die über drei Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Braucht es eine Frauenquote für den Mittelstand?

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Die gesetzliche Frauenquote gilt nur für die größten Unternehmen in Deutschland. Gut 100 große Unternehmen, darunter die DAX-Konzerne, müssen 30 Prozent ihrer Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen. 3.500 weitere Unternehmen sind verpflichtet, sich eigene Ziele für mehr Frauen in Führungspositionen zu setzen. Um die Quote wurde lange und hart gerungen, dabei gilt sie nur für einen kleinen Teil der deutschen Wirtschaft.

Frauenquote im Mittelstand nötig?

Im Mittelstand werden 700.000 Unternehmen von Frauen geführt. Damit erreicht der Mittelstand im Durchschnitt einen Frauenanteil von gut 20 Prozent an den Unternehmensspitzen. Die kleinen und mittleren Unternehmen bleiben somit sogar hinter der Mindestquote zurück, die der Gesetzgeber in den Aufsichtsräten von DAX-Konzernen voraussetzt.

Der Frauenanteil in den Spitzenpositionen des Mittelstands nimmt mit der Unternehmensgröße ab. Das heißt, Chefinnen sind häufiger in kleinen Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor anzutreffen, beispielsweise bei unternehmsnahen Dienstleistungen wie Finanz- oder Personalberatungen.

Wirtschaftsverbände und die Bundesregierung haben deswegen bereits 2001 die „Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft“ beschlossen. Die Unternehmen sollten freiwillig den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Kerstin Fehre sieht trotz des Abkommens kaum eine Verbesserung der Frauenquote im Mittelstand:

Auch mittelständische Unternehmen werden nicht müde zu betonen, dass sie etwas an der Situation ändern wollen. Wir haben aber in unserer Studie gesehen, wie sehr mittelständische Unternehmen in Sachen Diversitätsförderung hinterhängen. – Kerstin Fehre, Institut für Unternehmensführung in Karlsruhe

Diversität als Chance

Eine feste Quote ist für die Spitzenpositionen in mittelständischen Unternehmen schwer umzusetzen. Schließlich gibt es dort keine Aufsichtsräte mit zehn Positionen, die anteilig mit Frauen besetzt werden können. Kleine und mittlere Unternehmen setzen deswegen primär auf flexible Arbeitszeiten. Für mehr Vielfalt in der Unternehmensspitze sorgt das nicht unbedingt:

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen setzen auf Maßnahmen, welche die Zufriedenheit von Mitarbeitern steigern – aber nicht unbedingt die Karrierechancen von Frauen und anderen Diversitätsgruppen. – Kerstin Fehre

Über eine feste Frauenquote und Frauenförderung im Mittelstand hat detektor.fm-Moderatorin Astrid Wulf mit Kerstin Fehre gesprochen. Sie ist Projektleiterin am Institut für Unternehmensführung an der Universität Karlsruhe. Dort forscht sie unter anderem zur Vielfalt in Unternehmen und Frauen in Führungspositionen.

Kerstin FehreIch möchte aber auch einfach betonen, dass das Wichtige an einer Quote einfach ist, dass sie wirklich an den Ursachen ansetzt und nicht nur die Symptome irgendwie lindert, indem wir dann zahlenmäßig mehr Frauen in den Führungsgremien sehen, sondern dass sich an der Arbeitsrealität etwas ändert.Kerstin Fehresieht eine Frauenquote für Mittelständler zwiegespalten. 

Die Serie Mittelstand gibt es auch als Podcast.


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